Das Grab von Karl Marx auf dem Friedhof Highgate in London auf einer Aufnahme von 2017. Foto: dpa/Christoph Driessen

Er ist eine riesige grüne Oase, geheimnisvoll und verwunschen – Londons historischer Highgate-Friedhof, auf dem Berühmtheiten wie Karl Marx, George Michael oder Douglas Adams liegen. Doch nun ist das bei Touristen beliebte Gräberfeld vom Klimawandel mit seinen extremen Wetterphänomenen bedroht. Die Verwaltung klagt über wuchernden Pilzbefall aufgrund steigender Temperaturen, Stürme und Erosion.

Landschaftsplaner sollen nun in einem Wettbewerb eine Strategie zur Rettung des 1839 eröffneten Geländes im Norden Londons entwerfen: „Der Plan muss sich über die nächsten 20 Jahre und mehr erstrecken, und in dieser Zeitspanne wird sich die Erderwärmung fortsetzen“, betont Martin Adeney, Vorsitzender des Vereins Friends of Highgate Cemetary.

Auf dem hügeligen Gelände liegen die Überreste von 170.000 Menschen, darunter die Schriftsteller George Eliot und Douglas Adams, Autor von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Auch der 2016 verstorbene Popsänger George Michael hat auf dem Highgate-Friedhof ein – auf Wunsch seiner Familie – anonymes Grab.

Der Eingang zur ägyptischen Allee im westlichen Teil des Highgate-Friedhofs, der mit seinen verschlungenen Pfaden die Besucher in die viktorianische Zeit zurückversetzt. Foto: AFP/Niklas Hallen

Karl Marx ist im östlichen Teil des Friedhofs begraben, während der westliche Teil mit seinen verschlungenen Pfaden, Katakomben und einer ägyptischen Allee die Besucher in die viktorianische Zeit zurückversetzt. Noch immer finden hier Beerdigungen statt, und der Friedhof lockt jährlich etwa 100.000 Besucher an. In den vergangenen sieben Jahren stieg die Zahl sogar um 30 Prozent – wenngleich während des Corona-Lockdowns eine Besuchersperre in Kraft trat.

Doch die Schäden durch Vernachlässigung und steigende Temperaturen sind allgegenwärtig: Manche Grabsteine sind mit Absperrband oder Warnschildern versehen, andere neigen sich gefährlich zur Seite oder sind umgekippt.

Sorgen macht Chefgärtner Frank Cano auch eine Ruhestätte aus dem 19. Jahrhundert, deren Grabplatte allmählich von einem Baum aufgehebelt wird. Durch verstärkte Verschiebungen des Londoner Lehmbodens seien auch Grabmäler ins Rutschen geraten, schildert Cano.

Chefgärtner Frank Cano zeigt eine Grabplatte aus dem 19. Jahrhundert, die allmählich von einem Baum aufgehebelt wird.  Foto: AFP/Niklas Hallen

Dies wirke sich auf die Wurzeln der wild zwischen den Gräbern wachsenden Bäume aus: „Gefährdet ist der Friedhof durch unsere Bäume, durch das Efeu, durch die Brombeersträucher. Im Grunde ist es die Natur, die versucht, sich den Friedhof zurückzuholen.“

Auch die Stürme seien stärker geworden, sagt Cano, und wärmere Temperaturen führten dazu, dass Pilze besser gediehen und die Bäume von „viel mehr Schädlingen und Krankheiten“ befallen und destabilisiert würden. Wegen Pilzbefalls musste 2019 das Herzstück des Friedhofs, eine große Libanonzeder, gefällt werden. Darüber hinaus spülen zunehmende Regenfälle die Kieswege weg und bringen die veralteten Entwässerungssysteme zum Überlaufen.

Nun sollen Bäume gepflanzt werden, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. Cano hofft, der neue Plan lasse „die Geschichte im Einklang mit der Natur weiterleben“, damit der Friedhof auch in den kommenden Jahrhunderten weiter bestehen könne.

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Dies ist nicht die erste Krise des alten Gräberfeldes, das keinerlei öffentliche Gelder erhält. In den 1970er-Jahren hatten die ursprünglichen Eigentümer es als unrentabel aufgegeben. Gräber und Katakomben wurden aufgebrochen und Gebeine freigelegt, bis Anwohner des Viertels den Verein zur Rettung des Friedhofs gründeten.

Die geplanten Renovierungen sind nach Angaben Adeneys nun die größten Maßnahmen seither: „Wir werden damit natürlich in die Millionen gehen“, sagt er. Dafür erhofft sich der Verein Gelder der staatlichen britischen Lotterie-Stiftung. Gleichzeitig soll das Gelände auch besucherfreundlicher werden – mit gebührendem Respekt für die Toten. Angedacht sind ein Besucherzentrum, neue Toiletten und vielleicht ein Café.

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Der eine oder andere Baum wird weichen müssen. „Manche Bereiche werden lichter werden“, sagt Fördervereinschef Adeney. „Aber wir werden sehr vorsichtig sein.“