Ein Neugeborenes in der Hand einer Krankenschwester im Krankenhaus.
Ein Neugeborenes in der Hand einer Krankenschwester im Krankenhaus. imago (Symbolbild)

Unfassbare Vorwürfe gegen eine Kinderkrankenschwester. Auf einer Neugeborenenstation soll Lucy L. mindestens 22 Mal versucht haben, Säuglinge zu töten. 15 Male seien die Mordanschläge missglückt, doch in mindestens sieben Fällen seien die Kinder gestorben, berichten britische Medien.

Da in britischen Gerichten bei Strafprozessen keine Fotografen zugelassen sind, fertigte eine Gerichtszeichnerin diese Skizze von Lucy L. während der Verhandlung an.
dpa
Da in britischen Gerichten bei Strafprozessen keine Fotografen zugelassen sind, fertigte eine Gerichtszeichnerin diese Skizze von Lucy L. während der Verhandlung an.

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Die Anklage geht dabei von einer erheblichen Dunkelziffer aus, doch die Angeklagte streitet alles ab. Die jetzt im Prozess verhandelten Taten sollen sich zwischen 2015 und 2016 im Countess of Chester Krankenhauses in mittelenglischen Chester ereignet haben.

Frühchen Luft, Milch oder Insulin gespritzt: perfide Methode hinterlässt kaum Spuren

In sieben Fällen ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, Lucy L. die Mordtaten nachweisen zu können. Die Krankenschwester soll dabei so vorgegangen sein, dass sie den Kindern Luft, Milch oder Insulin spritzte. Diese Methode hinterlässt kaum Spuren, es sind keine Gifte.

Auf die Schliche kam die Polizei Lucy L., als diese mit der Fürsorge eines Frühchen-Zwillingspärchen betraut war. Als die Mutter nachts den Säuglingen Nahrung geben wollte, erwischte sie die Krankenschwester bei einem der beiden Jungs. Das Kind habe aus dem Mund geblutet, heißt es. „Vertrau mir, ich bin Krankenschwester“, habe Lucy L. geantwortet. Doch das Kind blutete aus dem Mund. Als Erklärung dafür führte sie eine Sonde an, das den Hals des Kindes reize. Dann habe L. die Mutter zurück auf ihre Station geschickt und versucht, Spuren zu verwischen und Akten zu manipulieren, um sich ein Alibi zu verschaffen.

Ein Arzt stellte fest, dass das Baby ein Viertel seines Blutes verloren hatte. Fünf Stunden später war das Kind tot. Weil aus den Krankenhausakten nicht hervorging, was tatsächlich vorgegangen war, nahm der diensthabende Arzt einen Magen-Darm-Infekt als Todesursache und verzichtete auf eine Obduktion.

Ein totes Zwillingskind genügte Lucy L. nicht, das Brüderchen sollte auch sterben

Eine spätere Untersuchung ergab, dass dem Kind Luft injiziert wurde, was zum Tode geführt habe. Doch ein totes Zwillingskind genügte ihr nicht, der Bruder sollte auch sterben: Laut Anklage fügte Lucy L. dem Nährstoffbeutel des Frühchens Insulin bei. Der Blutzuckerspiegel des Babys sank laut Anklage, während die Krankenschwester anwesend war. Trotzdem überlebte das Kind.

So besessen von der Familie mit dem toten Zwillingskind soll sie gewesen sein, dass sie den Eltern noch auf Facebook hinterherschnüffelte. Später sagte sie laut Anklage aus, „sie habe vielleicht sehen wollen, wie es dem Baby geht“.

Auch in einem anderen Fall eines von Lucy L. betreuten Frühchens wurde das Kind tot aufgefunden. Im Darm wurde eine unnatürlich hohe Menge Luft festgestellt. Direkt danach habe sie auch dessen Eltern auf Facebook gesucht. 

Einem weiteren Frühchen soll Lucy L. Milch verabreicht haben, bis sich das Kind mehrfach übergab und rd schließlich aufhörte zu atmen. Dennoch habe das Kind diesen und zwei weitere Mordanschläge überlebt, allerdings mit bleibenden Hirnschäden. Der Prozess soll sich laut BBC bis ins kommende Jahr ziehen.