Das Cover des Buches «Dummheit» von Heidi Kastner.   dpa/Kremayr & Scheriau

Seit der Corona-Krise wird so viel über Dumme geredet wie selten zuvor. Die meisten sind dabei überzeugt, selber schlau zu sein und auf der richtigen Seite zu stehen. Die österreichische Psychiaterin Heidi Kastner hat jetzt ein Buch über das Phänomen Dummheit vorgelegt. Es heißt auch so: „Dummheit“.

Man muss Dummheit immer einkalkulieren

„Dummheit hat Hochkonjunktur. Es erstaunt mich immer wieder, in wie vielen Bereichen sich Menschen Wissen und Fähigkeiten zuschreiben, die sie gar nicht haben“, sagte Kastner (59) der schweizerischen Sonntagszeitung. „Man muss Dummheit als Fakt anerkennen. Und sie immer einkalkulieren. Gute Bildung ist offenbar kein Rezept.“

Als dumm, so Kastner, müsse man jene bezeichnen, die mit gefühlten Wahrheiten oder Intuitionen daherkommen und dann sagen, die Intuition sei eine wesentliche Erkenntnisquelle. Es sei mittlerweile salonfähig geworden zu sagen, Experten seien verlogen. „Es gibt eine zunehmende Bereitschaft, Verschwörungstheorien anzuhängen.“ Die zunehmende Komplexität der Welt habe diese Bereitschaft verstärkt.

Die eigenen Belange vor allen anderen 

Kastners Definition von Dummheit: „Es ist die Tendenz, Fakten zu ignorieren. Und im Sinne des kurzfristigen, unmittelbaren und scheinbaren Vorteils langfristige negative Folgen für sich und andere zu ignorieren. Dumme Menschen verstehen sich nicht als Teil eines Gefüges, für sie kommen immer nur die eigenen Belange an erster Stelle.“ Das zentrale Merkmal Dummer sei also, ausschließlich die eigene Position zu priorisieren und alles andere zu ignorieren.

Auf Dummheit Rücksicht zu nehmen, hält Kastner für keine gute Idee, wie sie im Sonntagszeitung-Interview sagte: „Dialogbereitschaft ist zwar prinzipiell zu befürworten und eine gute Sache. Allerdings nur, wenn sie auf beiden Seiten vorhanden ist. Alles andere benennt man besser als das, was es ist. Nämlich eine zweckbefreite und absehbar ergebnislose Kombination zweier Monologe, und spart sich Mühe, Ärger und Zeit, mit Menschen zu diskutieren, die das Recht auf eine eigene Meinung mit dem Recht auf eigene Fakten verwechseln.“

Sich selber hält die Autorin, die einst Gutachterin im Fall von Josef Fritzl war, nicht immer für undumm: „Natürlich bin ich nicht dagegen gefeit, in alltäglichen Belangen ab und zu dumme Dinge zu tun.“