Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Tempolimit von 100 km/h auf der Autobahn. imago/Chromeorange

Seit Wochen führt Wladimir Putin einen blutigen Krieg gegen die Ukraine, doch noch immer stehen zahlreiche Länder auf der Liste der Abnehmer für russisches Gas und Öl, allen voran Deutschland. In dieser Zeit kamen aus der Politik schon diverse Aufrufe, Energie zu sparen. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck forderte gar „frieren für die Freiheit“ und ließ dabei außer Acht, dass es in Deutschland bereits zahlreiche Menschen gibt, die ihre Wohnung nur notdürftig heizen, um Geld zu sparen. Doch ein probates Modell aus der Vergangenheit wurde nie angetastet: ein Tempolimit auf Autobahnen. Ein Unding, findet die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Tempolimit: Deutsche Umwelthilfe stellt Verkehrsminister Wissing an den Pranger

In einem Unterstützungs-Aufruf stellt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Natur- und Verbraucherschutzorganisation, Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) an den Pranger. Denn es war dessen Ressort, dass sich zuletzt immer wieder gegen ein temporäres Tempolimit aussprach.

In den 1970er-Jahren war dies ein probates Mittel in der Öl-Krise, nun soll es laut Wissing an fehlenden Schildern scheitern, was angesichts der starren Ideologie der FDP in Sachen Tempolimit in der Vergangenheit, eher nach einem vorgeschobenen Argument klingt.

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Bundesverkehrsminister Volker Wissing. dpa/Bernd von Jutrczenka

Das sieht man auch bei der Deutschen Umwelthilfe so. In dem Aufruf wird sogar behauptet, dass durch ein Tempolimit weniger Schilder benötigt würden. Sowohl die Behauptung von Wissing, als auch die der DUH wurden bislang nicht überprüft.

Tempolimit auf Autobahn und Landstraße: So groß wäre der Effekt

Sicher ist aber: Ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen hätte einen enormen Effekt, das behauptet nicht nur die Deutsche Umwelthilfe, das rechnet auch das Umweltbundesamt vor. Demnach könnten 2,1 Milliarden Liter fossile Kraftstoffe pro Jahr eingespart werden. Das wären 3,8 Prozent des Kraftstoffverbrauchs im Verkehrssektor. Wie Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung der Tagesschau sagte, könnte ein Tempolimit so „fünf bis sieben Prozent der russischen Ölimporte“ reduzieren. Die Zahlen, die die DUH nennt, gehen sogar noch einmal darüber hinaus.

DUH-Chef Jürgen Resch schreibt in seinem Aufruf auch von einem persönlichen Gespräch mit Verkehrsminister Wissing, in dem er noch einmal für ein Tempolimit geworben habe. Demnach bezweifle der FDP-Politiker allerdings die Zustimmung der Gesellschaft, behauptet Resch. Wissing selbst ließ sich in den vergangenen Tagen nicht mehr zu dem Thema ein.

Klare Mehrheit in Deutschland für Tempolimit

Aktuelle Umfragen zeigen aber, im Falle eines Tempolimits hätte der Minister die Wähler wohl auf seiner Seite. Denn aus einer Erhebung des ZDF-Politbarometers geht hervor, dass 50 Prozent der Deutschen ohnehin für ein Tempolimit auf Autobahnen wären, sowie 25 weitere Prozent dafür, zumindest temporär ein Tempolimit von 130 km/h einzurichten, um unabhängiger von russischem Öl zu werden. Inwiefern die Bereitschaft auch für ein Tempolimit von 100 km/h da wäre, wurde nicht abgefragt.

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Ob das allerdings dazu führt, dass sich Wissing und die FDP in der Frage bewegen, ist unklar. Aus Reihen der Koalitionspartner von SPD und Grünen mehren sich allerdings längst die Forderungen.