Kurze Hosen und Mundschutz: Deutsche Test-Touristen verlassen den Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Imago-Images/Spot on Mallorca

In den Straßen von Mallorcas bekanntester Urlaubsregion ist es immer noch ungewöhnlich ruhig. Kein Plätschern von Pools, kein Brummen riesiger Klimaanlagen, auch hier der Soundtrack der Corona-Krise: lautes Vogelgezwitscher. Die Glastüren der großen Hotelanlagen sind mit Tüchern verhängt. Nur ganz vorne, eine Querstraße hinter der berühmten Playa de Palma, tut sich etwas.

Am Hotel Riu Concordia kommt gerade die zweite Ladung Urlauber aus Deutschland an, die im Rahmen des Pilotprojektes der Balearenregierung testen sollen, wie Urlaub in Zeiten von Covid-19 aussehen kann. Bereits am Montag traf die erste Ladung Test-Touristen aus Düsseldorf ein.

Auf Mallorca wird erstmal Fieber gemessen

Im Hotel gibt es sofort die erste Schlange. Die Gäste werden nur einzeln zur Rezeption vorgelassen, bei jedem wird mit Wärmebildkamera die Temperatur gemessen. Der rundliche Empfangschef bemüht sich charmant scherzend, die Stimmung entspannt zu halten. „Herzlich willkommen, Sie sehen gesund aus – ja, Sie sehen auch gesund aus, aber nicht so schön wie Ihre Frau“, ist in Spanisch eingefärbtem Deutsch zu hören. 

In der Schlange wartet auch Olaf Gruß. Der Fußball- und Mallorca-Fan kommt stets während der großen Fußballturniere nach Arenal, um die Spiele von hier aus zu verfolgen. Auch dieses Jahr wollte er die nun auf 2021 verschobene EM hier sehen. Doch normal ist dieser Tage nichts: „Von Ballermann hat das hier ja überhaupt nichts mehr“, urteilt der erfahrene Playa-de-Palma-Besucher.

Olaf Gruß kommt eigentlich immer zum Fußball gucken nach Mallorca. Jetzt fühlt er sich wie ein Pionier.
Foto: dpa/Alexandra Willms

Fliegen mit Maske, bargeldloses Bezahlen, viele Formulare und ein ungewohnter Hindernislauf am Flughafen hätten die Anreise anstrengend gemacht, sagt er. Beim von Tui und Inselregierung organisierten Probelauf dabei zu sein, bereut er trotzdem nicht: „Dass ich dazu gehöre, ist schon auch schön. Das ist ja fast so spannend wie der Mauerfall in Berlin.“

Viele der Test-Touristen machen einen fröhlichen Eindruck. Genauso wie Luís Menor. Dem Besitzer des Restaurants „Mama Muú“ ist schon von weitem anzusehen, dass er sich über die Wiedereröffnung des gegenüberliegenden Hotels freut. „Ich war heute Morgen da, um auch zu klatschen“, sagt er. Es seien schließlich keine deutschen Touristen, die kämen – es seien Kunden und Freunde, die jedes Jahr wieder da seien. Dafür halte man sich doch gern an die strengen Hygienemaßnahmen – die Speisekarte gibts per QR-Code auf das Handy, das Besteck muss einzeln in Plastiktüten eingepackt werden, die Zahl der Tische ist deutlich reduziert, um den Mindestabstand einzuhalten.

Restaurantbesitzer Luis Menor zeigt auf seinen QR-Code, mit dem die Speisekarte gelesen werden kann.
Foto: dpa/Alexandra Willms

Vorne an der Strandpromenade setzen Anuschka und Paul Lauterbach gerade zum Selfie an. Das Ehepaar aus Neuss hat bereits am Hotelpool ein Bier in der Sonne genossen. Im Speisesaal seien Mundschutz und Handschuhe Pflicht, am Büffet dürfe man sich nicht selbst bedienen, die gewünschten Speisen würden von einem Hotelmitarbeiter auf den Teller gefüllt. 

Der Start des Testprojekts mit den Deutschen eine knappe Woche vor der offiziellen Wiederöffnung der spanischen Grenzen löst auf Mallorca aber nicht nur Freude aus. Viele hätten Angst, dass es auf der Insel wegen der Besucher zu einem Wiederaufflammen der Coronavirus-Krise komme, sagte Biel Barceló, Leiter der Bürgerinitiative „Ciutat de s'Arenal“. „Einige brauchen Einnahmen und freuen sich, dass der Tourismus nach drei Monaten wieder langsam in Gang kommt, klar. Aber die Sorge ist weit verbreitet“, erzählt er. „Die Neuansteckungsraten sind in Deutschland aktuell höher als bei uns.“

Anuschka und Paul Lauterbach stehen an der Strandpromenade von Arenal.
Foto: Alexandra Willms

Die Amüsiertempel des „Ballermanns“ dürfen jedoch noch nicht wieder öffnen, weil die Regionalregierung entschieden hat, dass Discos und Clubs nach wie vor geschlossen bleiben. Für die Lauterbachs ist das kein Problem. „Den Bierkönig brauche ich nicht.“