Anna Sorokin, Hochstaplerin aus Deutschland, sitzt in einem Gerichtssaal. Richard Drew/AP/dpa

Trotz eines letzten Aufschubs am Montag ist ihre Abschiebung nach Deutschland wohl beschlossene Sache. Was Anna Sorokin alias Anna Delvey nicht daran hindert, in den USA weiter Schlagzeilen zu machen. In einem am Mittwoch veröffentlichten Podcast verriet die falsche Millionenerbin, dass sie theoretisch noch weitere Möglichkeiten sähe, trotz abgelaufenen Visas in Amerika zu bleiben: „Ich habe im Knast viele Angebote von Leuten bekommen, die mich adoptieren oder heiraten wollten – mehr als vorher!“

Die Deutsch-Russin wurde von der „Call Her Daddy“-Podcasterin Alexandra Cooper im ICE-Gefängnis von Goshen (Bundestaat New York) interviewt und gefragt, ob sie sich selbst als Betrügerin beschreiben würde. Worauf die 31-Jährige lachend antwortete: „Ich habe niemals vorgehabt, jemand auf kriminelle Weise zu schädigen. Ich gibt kein einziges Beispiel dafür, wo ich gedacht habe ‚Ich werde diese Person richtig fi… und sie wird ihr Geld niemals wiedersehen.“

In Russland geboren, in Deutschland aufgewachsen

Die in Eschweiler aufgewachsene Tochter eines russischen Lkw-Fahrers verriet, warum ihre Lüge, als deutsche Erbin ein Treuhandvermögen von 67 Millionen Dollar zu haben, nicht aufgeflogen war: „Ich war einfach kein Big Deal in der City. In New York bist du mit 60 Millionen Dollar an der Armutsgrenze. Es gibt so viele Reiche, du kannst da niemanden imponieren.“ Einer ihrer Tricks, besonders wenn sie Banken um Kredite bat, war, in lässigen, oft heruntergekommenen Outfits aufzutauchen: „Ich habe damit den ‚I Don’t Give a Fuck‘-Vibe gehabt, den Reiche mit Vermögen alle mitbringen. Leute geben dir eher Geld, wenn sie denken, du hast selbst viel davon.“

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Standbild aus dem „Call Her Daddy“-Podcast mit Betrügerin Anna Sorokin. ZVG

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Sorokin verriet, dass sie ihre Star-Allüren auch während ihres zweijährigen Knastaufenthalts im berüchtigten Rikers Gefängnis nicht aufgegeben hatte. Sie heuerte eine Mit-Insassin als Assistentin an, die ihr iPad laden und ihre Post sortieren musste. Und sie zahlte einem weiteren weiblichen Häftling dafür, dass diese ihre Outfits mit der Hand wusch: „Ich hatte keine Hater im Knast. Leute wollten mich sogar adoptieren und ich habe viele Heiratsanträge bekommen.“

Sorokins Story wurde in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ nachgestellt

Sorokin verriet auch, warum eine Karriere in der „normalen“ Businesswelt für sie nie wirklich infrage kam: „Ich wollte als kleines Mädchen in der PR für ein Modelabel oder für Magazine arbeiten. Aber ich hasste es dann einfach, wenn man mir vorgeschrieben hat, was ich zu tun habe. Ich bin allergisch gegen Autorität, gegen Regeln. Vor allen, wenn ich sie unlogisch finde.“

Sie sah Geld als den einzigen Ausweg aus ihrer Misere: „Ich brauchte es, um Freiheit zu haben. Um zu reisen und all das machen zu können, was ich wollte.“ Sorokin, deren Story in der Netflix-Serie „Inventing Anna“ nachgestellt wird, besteht darauf, dass sie ihre Freunde und Bekannte nie angelogen hat – „nur die Banken“. Und dass sie sich bis heute nicht als eine Kriminelle sieht: „Ich habe nie versucht, kriminell zu sein. Ich habe mich nie versteckt. Und als die Polizei mich gesucht hat, bin ich einfach zurück nach New York und dachte, mein Anwalt wird das schon regeln. Ich hätte nie gedacht, dass sie mit mir so drakonisch umgehen!“

Sorokins Pläne für die Zukunft – egal, ob in den USA oder Deutschland: Sie will sich einer Laser-Augenoperation unterziehen. Denn ihre berühmte Designer-Brille ist kein Fashion-Accessoire – „ich bin leider halb-blind“. Sorokin weiß, dass sie bis zu ihrem Lebensende gebrandmarkt ist: „Meine Angst ist, dass ich irgendwie eines Tages wieder abfucke und alle sagen: ‚Wir haben es doch gewusst, dass sie eine Betrügerin ist.‘“