Agnieszka P., die Mutter von Opfer und Angeklagter wischt sich vor dem Gerichtssaal die Tränen aus dem Gesicht. dpa/Friso Gentsch

Wieso tötet man ein Kind – noch dazu, wenn man eigentlich noch selbst eines ist? Dieser grausamen Frage nähert sich seit Montag das Landgericht Detmold. Auf der Anklagebank: Die 15-jährige Oliwia. Sie soll ihren Halbbruder Nikolas (3) getötet haben. Die Details der Tat klingen wie aus einem Horrorfilm.

Horror-Botschaft mit Blut

Als Agnieszka P. (46) am Abend des 6. November 2019 von der Arbeit nach Hause kam, war Oliwia schon nicht mehr zu Hause, sie irrte nach der Bluttat ziellos durch die Nacht. Agnieszka entdeckte Nikolas  tot in seinem Bett. Der kleine Körper des Jungen war mit 28 Messerstichen übersäht. Oliwia hatte ihn im Schlaf erstochen. An der Wand hatte sie eine Botschaft hinterlassen – mit Blut geschrieben. „Hier hast du deinen Sohn“, soll dort gestanden haben.

Am nächsten Tag wurde Oliwia von der Polizei im etwa 15 Kilometer entfernten Lemgo aufgegriffen. Bei der Festnahme leistete sie keinen Widerstand. Sie sei in ruhiger Verfassung gewesen, sagte ein Polizeisprecher damals. In der polizeilichen Vernehmung hatte sie sich als Täterin bezeichnet, verwies aber auf Erinnerungslücken.

Gericht sucht nach dem Motiv

Während die Tat weitgehend unstrittig ist, beschäftig das Gericht die Frage nach dem Motiv. Die Staatsanwaltschaft wirft der 15-Jährigen vor, ihren Halbbruder aus Eifersucht getötet zu haben und plädiert somit auf Mord. Im Prozess der aufgrund des Alters der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, sollen 20 Zeugen, darunter auch ein psychiatrischer Gutachter, gehört werden. Er soll den Entwicklungsstand und die Schuldfähigkeit von Oliwia beurteilen.

Laut den Ermittlern sei das familiäre Umfeld der Angeklagten schwierig. Wie „Bild“ berichtet, zog Agnieszka P. vor einigen Jahren zunächst ohne Tochter Oliwia von Polen nach Deutschland. Die blieb bei ihrem Vater, der sie mehrfach misshandelt haben sollte. Erst als Oliwia zehn Jahre alt war, kam sie wieder zu ihrer Mutter – kurz darauf wurde Agnieszka P. mit Nicolas schwanger. Sie sagte dem Blatt, dass die Halbgeschwister ein normales Verhältnis zueinander hatten.

Agnieszka hatte ihrer Tochter bereits vergeben

Agnieszka hat eine Entschuldigung ihrer Tochter bereits angenommen. „Ich liebe sie über alles“, sagte sie. Vor Gericht wird es eine Entschuldigung nicht tun. Ihr droht eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren.