Rettungskräfte haben eine weitere Leiche unter den umgestürzten Waggons gefunden. dpa/Sven Hoppe

Der Horror hat noch kein Ende.

Noch immer liegt ein umgestürzter Waggon auf der Straße. Fenster sind herausgebrochen, Trümmer liegen verstreut. Die ganze Nacht haben die Helfer erneut bei Flutlicht gearbeitet. Oben an der Autobrücke neben dem Unglücksort haben Menschen einen Blumenstrauß niedergelegt.

Nach Angaben der Polizei ist die Identifizierung der fünf Toten abgeschlossen. Demnach handelt es sich um drei Frauen im Alter von 32, 39 und 70 Jahren sowie nach bisherigen Erkenntnissen um eine 51-Jährige. Das fünfte, am Samstag geborgene Opfer sei ein Junge im Teenageralter, teilte die Polizei am Sonntag weiter mit. Medienberichten zufolge soll er 13 Jahre alt gewesen sein. Von den mehr als 40 Verletzten befinde sich eine Person noch in kritischem Zustand.

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Die Aufräumarbeiten am Unfallort gehen weiter. dpa/Uwe Lein

Zwei geflüchtete Ukrainerinnen unter den Todesopfern

Besonders tragisch: Nach Informationen der BamS sollen unter den Opfern zwei geflüchtete Ukrai­nerinnen sein, die in der Nähe bei Gastfamilien untergebracht waren. Eine der Frauen soll demnach ihr Kind dabei gehabt haben. Es wurde schwer verletzt, liegt dem Bericht zur Folge im Krankenhaus.

Die Unglücksursache ist den Angaben zufolge weiterhin unklar. Eine Soko „Zug“ arbeite seit dem Unfall am Freitag daran, den Hergang zu rekonstruieren. Die Leitung liege bei der Staatsanwaltschaft München II. Unterstützt werden die Ermittler demnach von Sachverständigen.

Die Aufräumarbeiten gingen am Sonntag weiter. Dabei soll ein 250 Tonnen schwerer Spezialkran zum Einsatz kommen, um unter anderem die Lok wieder auf das Gleis zu heben. Außerdem sei geplant, den umgestürzten Waggon, der am Samstag auf die Bundesstraße 2 gehoben wurde, abzutransportieren, sagte ein Polizeisprecher am Morgen.

Dafür müsse der Waggon möglicherweise in zwei Teile geteilt werden. Anschließend sollen die beiden weiteren umgekippten Waggons auf die Straße gehoben und abtransportiert werden.

Es ist ein knallharter Job für die Rettungskräfte. AFP/DOMINIK BARTL

Am Freitag war in der oberbayerischen Ferienregion ein Regionalzug entgleist. Es ist eines der schwersten Bahnunglücke der vergangenen Jahre in Deutschland.

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Ursache des Unglücks ist weiter unklar

Lange befürchteten die Helfer, dass sie unter den Trümmern noch weitere Opfer finden. Sieben Menschen galten als vermisst. Die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich jetzt aber nicht zu bestätigen. Die Polizei geht inzwischen nicht mehr davon aus, dass es weitere Tote gibt.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Unglücksort. dpa/Angelika Warmuth

Der Zug war auch mit Schulkindern besetzt - am letzten Schultag vor den Pfingstferien. „Es ist kurz vor den Ferien, im Zug ausgelassene Stimmung, in einer der schönsten Regionen, die Bayern ja hat - und dann passiert sowas und verändert möglicherweise ein Leben komplett“, schilderte Ministerpräsident Markus Söder (CSU)  der sich am Samstag sichtlich erschüttert selbst ein Bild von der Lage machte. Söder sprach  von einem Schock und einem „Stich ins Herz“. „Es ist ein unfassbares Ereignis.“

Menschen haben Blumen zum Unglücksort gebracht. dpa/Sven Hoppe

Die Ursache des Unglücks bleibt noch unklar. Auszuschließen ist laut Polizei bisher nur eine Kollision mit einem anderen Fahrzeug. „Vor Ort waren alle Experten der Meinung, dass die wahrscheinlichste Ursache ein technischer Defekt am Gleis oder am Zug sein müsste“, sagt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU).

Weitere Leichen unter den Waggons?

Auch am Sonntag kreiste immer wieder ein Hubschrauber über dem Unfallort. Mit Kettensägen haben die Helfer bereits zahlreiche Bäume zwischen Gleis und der daneben laufenden Bundesstraße gefällt, um besser arbeiten zu können. Leitplanken wurden weggeschnitten. Zwei Mal hatten die Kräfte vergeblich versucht, einen komplett umgestürzten Waggon zu heben.

Die Zugteile haben sich stark ineinander verkeilt. dpa/Angelika Warmuth

Bis zu 650 Helfer waren laut Innenministerin Nancy Faeser im Einsatz, sie hatte sich schon am Freitagabend selbst ein Bild von der Lage gemacht. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kam am Samstag. Und Bahnchef Richard Lutz.

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Zugteile sind stark ineinander verkeilt

Teil der verunglückten Waggons werden angehoben. dpa/Sven Hoppe

Die Arbeiten werden noch dauern, die Rede war von ein oder eher zwei Wochen. Zugteile waren und sind stark ineinander verkeilt. Wohl eine Woche werde einseitig auch die Bundesstraße neben den Gleisen gesperrt bleiben, heißt es. Bernreiter hatte am Vortag bereits gemahnt, Garmisch-Partenkirchen weiträumig zu umfahren.

Schlechte Nachrichten just vor den Ferien auch für die Garmischer, die sich gerade auf den G7-Gipfel Ende Juni auf Schloss Elmau vorbereiten - und auch dann weniger Touristen, zugleich aber erhebliche Einschränkungen auf sich zukommen sehen. Herrmann sagte dem Bayerischen Rundfunk: „Man muss ohnehin sehen, inwieweit mit Blick auf den G7-Gipfel Baumaßnahmen durchgeführt werden können“. Während des Gipfels Ende Juni im nahen Schloss Elmau würde die Strecke Garmisch-Mittenwald gesperrt.

Auch in der Nacht gehen die Arbeiten weiter. dpa/Angelika Warmuth