Meredith Tabbone vor ihrem 1-Euro-Haus in Sambuca. Foto: Meredith Tabbone

Immer wieder bieten italienische Dörfer Häuser zum Schnäppchenpreis an. Zuletzt warb das kalabrische Örtchen Cinquefrondi mit zwölf kleinen Häuschen in der historischen Altstadt für nur einen Euro, um ein Aussterben der Stadt zu verhindern und lange verlassenen Häusern wieder Leben einzuhauchen. Doch bei einem Euro bleibt es oft nicht, wie die US-Amerikanerin Meredith Tabbone dem KURIER verriet. Sie hat im vergangenen Sommer im sizilianischen Sambuca einen kleinen „Palazzo“ gekauft und rechnet mit Kosten von mehr als 30.000 Euro. Ihre Entscheidung bereut sie dennoch nicht.

Für die 40-jährige Finanzberaterin ist die 6000-Einwohner-Gemeinde im Westen Siziliens nicht irgendein Ort. Ihr Urgroßvater stammt aus Ortschaft, die in den Bergen liegt und doch nur 20 Autominuten vom Strand entfernt ist. Als sie dann aus der Presse von dem Angebot hörte, schlug sie zu. Statt dem einen Euro, der nicht der Endpreis, sondern das Startgebot einer Versteigerung war, musste sie 5555 Euro zahlen. Zudem musste sie versichern, dass sie das zweistöckige Haus in drei Jahren renovieren und dabei mindestens 17.000 Euro investieren werde. Solche Bedingungen sind bei italienischen Schnäppchenhäusern nicht selten. Bei den aktuell zum Verkauf stehenden Häusern im kalabrischen Cinquefrondi wird eine Strafe von 20.000 Euro fällig, wenn das Haus nach drei Jahren nicht saniert ist.

Der malerische Ort Sambuca auf Sizilien. Foto: Meredith Tabbone

Ein gutes Geschäft bleibt es am Ende für Meredith Tabbone trotz der 30.000 Euro, die sie für die Renovierung des Hauses aus dem 18. Jahrhundert eingeplant hat. Inzwischen hat sie sich sogar das Nachbarhaus gekauft, das zuletzt immerhin 1974 renoviert wurde, und möchte die beiden verbinden. „Ich liebe das Haus, den Ort und das Team von Menschen, die mit mir das Haus renovieren“, sagte sie dem KURIER. Eigentlich wollte sie auch im Juli nach Sambuca reisen und wieder bei den Arbeiten helfen, doch wegen des Coronavirus musste sie die die Reise absagen, mit ihrem Team steht sie aber in engem Kontakt.

Der ganze Prozess der Renovierung sei für sie eine „lebensverändernde Erfahrung“ gewesen, sagt sie. Ihre Instagram-Seite zeugt von ihrer Begeisterung für das Haus, das knapp 100 Jahre leer stand und aktuell noch keine Strom- und Wasserversorgung hat. „Man kann immer etwas neues entdecken“, sagt sie und erzählt begeistert von der Entdeckung eines Fensters, das von einem Vorbesitzer zugemauert wurde und nun erstmals überhaupt eine Scheibe bekommt.

Noch sehen die Räume des Hauses nicht wohnlich aus. In spätestens zwei Jahren soll das anders sein. Foto: Meredith Tabbone

Wenn ihr Traumhaus in Italien endlich fertig ist, will Meredith Tabbone es zunächst als Feriendomizil und Anlaufpunkt in Europa nutzen. Vier bis sechs Wochen im Jahr will sie dort verbringen. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Wenn ich in Rente gehe, will ich dauerhaft dort hinziehen“, sagt sie. Bis dahin will sie auch besser Italienisch sprechen. Das war nämlich keine Voraussetzung für den Kauf eines Ein-Euro-Hauses.