Der Abenteurer Rüdiger Nehberg, bekannt durch seine extremen Survival-Expeditionen, hackt im Januar 1986 bei minus 11 Grad Celsius Löcher in den Rausdorfer Mühlenteich, um in dem drei Grad Celsius warmen Wasser von Loch zu Loch zu schwimmen. Foto: dpa

Berlin - Nun hat seine letzte Reise begonnen: Rüdiger Nehberg ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Der deutsche Extremabenteurer und Menschenrechtsaktivist wanderte tausend Kilometer ohne Proviant durch Deutschland und überquerte den Atlantik allein auf einem Baumstamm. Und er stritt für die Rechte der Yanomami-Indianer im brasilianischen Urwald.

Der im Mai 1935 in Bielefeld geborene Nehberg hatte noch bis ins fortgeschrittene Alter extrem strapaziöse Reisen und Abenteuer unternommen. Erst in seinen letzten Lebensjahren verzichtete er dann darauf, die Grenzen seiner Belastbarkeit auszutesten.

Einsatz für die Regenwald-Indianer

Einen großen Teil seiner lange unbändig erscheinenden Energie widmete Nehberg über viele Jahre hinweg dem Schutz der Yanomami. Er hatte das von Goldsuchern bedrohte Volk kennengelernt, als er sich wochenlang ohne Ausrüstung durch den Dschungel schlug. Danach waren seine spektakulären Aktionen immer auch Lobbyarbeit für das indigene Volk. „Diese Aufgabe hat meinen ursprünglich von Abenteuerlust geprägten Reisen unerwartet Sinn und meinem Leben Erfüllung“ gegeben, schrieb Nehberg einmal. Später wandte er sich dem Kampf gegen Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen zu.

Der gelernte Bäcker und Konditor arbeitete parallel noch lange in seinem angestammten Beruf und führte bis 1990 in Hamburg einen eigenen Betrieb. Die Tricks für das Überleben in Extremsituationen brachte er sich im Laufe der Zeit selbst bei. Den Hang zum Abenteurertum hatte Nehberg von früh an. Schon als junger Mann fuhr er auf einem selbstgebauten Fahrrad bis nach Marokko.

Ein gelernter Bäcker trainert Elitesoldaten

In den 60er Jahren stieß er dann in den USA zufällig auf die Survival-Bewegung, die sich auf das Überleben in der Natur möglichst ohne Hilfsmittel spezialisiert hat. Nehberg war fasziniert. Über die Jahre sog er das entsprechende Wissen von Naturvölkern und Experten in sich auf, besuchte Kurse und trainierte auch mit Elitesoldaten der Bundeswehr. Nehbergs Bücher wurden Bestseller, er gab außerdem Kurse.

Als erstem Menschen überhaupt gelang es ihm 1972, den rund tausend Kilometer langen blauen Nil durch Äthiopien und Sudan per Boot zu befahren. Zweimal wiederholte Nehberg diese Tour, wobei 1975 ein Freund vor seinen Augen von Räubern erschossen wurde - ein Ereignis, das ihn tief prägte.

Der Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg blickt am 17.06.2003 bei einer Pressekonferenz in Hamburg zu einer Vogelspinne auf, die er sich auf den Kopf gesetzt hat. Am 1. Juli 2003 brach Nehberg dann zu seinem nächsten Abenteuer auf: 1000 Kilometer allein durch den brasilianischen Urwald. Foto: dpa

1981 wanderte Nehberg ohne Gepäck durch Deutschland, wobei er sich höchstens von dem ernährte, was er unterwegs fand. Das waren Insekten und überfahrene Vögel. Solche Touren machten ihn berühmt, prägten jedoch auch sein Image als wunderlicher „Würmerfresser“. Nehberg störte das nicht. „Damit lebe ich prima“, sagte er einmal.