Ein Alaska-Seelachs Wikipedia/George Berninger Jr./CC BY-SA 4.0

Wer gedacht hat, nur in Deutschland laufe die Bürokratie Amok, sollte mal über den Atlantik blicken: Dort, in Kanada, stecken fast 12.000 Tonnen für die US-Fischindustrie bestimmter Seelachs fest, weil US-Behörden ein 101 Jahre altes Gesetz wiederentdeckt haben. Jetzt steht den USA Knappheit bei Fischstäbchen und Filets ins Haus.

Und das kommt so: Seelachs, vor dem US-Staat Alaska in der Bering-See gefangen, wird fast 14.000 Kilometer weit auf Kühlschiffen den Pazifik hinunter, durch den Panamakanal und dann im Atlantik hinauf nach Bayside im kanadischen Bundesstaat New Brunswick gebracht. Dort wird er in ein Kühlhaus ausgeladen, kommt anschließend auf Lastwagen. Die wiederum werden auf Eisenbahn-Waggons gefahren und auf eine gut 60 Meter (Meter!) lange Bahnfahrt geschickt (30 Meter hin, 30 Meter zurück), um anschließend den Seelachs über den nahen US-Staat Maine in die amerikanischen Fischfabriken an der Ostküste zu liefern.

Wiederentdeckt: Ein Gesetz von 1920

Klingt irre? Nicht ganz. Das Gesetz von 1920, der Jones Act, schreibt nämlich vor, dass Waren, die unter anderem per Schiff aus den USA in die USA gebracht werden, von US-Schiffen unter US-Flagge transportiert werden müssen. Es sei denn, das Transportgut wird teilweise auf kanadischen Gleisen verfrachtet.

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Die Fischtransporteure haben deshalb den kleinen Umweg über Kanada installiert, weil es nach ihrer Darstellung gar nicht genug US-Schiffe für den Fischtransport gibt. Ein Bahn- oder Lkw-Transport aus Alaska in das US-Hauptland sei zu unzuverlässig, unter anderem wegen der notwendigen Kühlung.

Nach vielen Jahren ist nun der zuständigen US-Behörde aufgefallen, dass der Jones Act umgangen wird. Sie blockierte den Trick, indem sie 350 Millionen Dollar Strafen gegen die beteiligten Firmen verhängte, wie die sagen. Der Fisch hängt in Bayside fest und droht zu verderben.

Die Fischindustrie tobt, argumentativ unterstützt von der Aussage eines kanadischen Hafen-Managers, dass die US-Zollbehörde immer Bescheid wusste, was und warum in Bayside geschieht. Mindestens seit 2000 läuft das so – erst mit einer 50 Kilometer-Bahnfahrt, seit 2012 mit der neu gebauten Mini-Bahnstrecke. Deren Inanspruchnahme sei ein Witz, weil eigentlich kein Transport im Sinne des Jones Act stattfinde, findet der Zoll.

Präsident Joe Biden wurde von den Firmen um Hilfe gebeten, während die Sache vor Gericht geht. Unterdessen wollen Frachtunternehmen den Fisch von Alaska doch per Bahn südwärts transportieren lassen, andere von Seelachs auf Schellfisch umsteigen.

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Fischerei-Speditionen kamen zuletzt auf eine neue Idee: Plötzlich wurde der vor Alaska (und damit gleich neben Russland) gefangene Fisch als russischer Fisch deklariert, der nicht unter den Jones Act fällt.