Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Foto: Imago-Images/Tatiana Bolari

Bereits seit März warnen Beobachter, nun ist der Schlimmstfall eingetreten: Im überfüllten Migrantenlager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist erstmals ein Mensch positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es handle sich um einen 40-jährigen Mann aus Somalia. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, sein Zustand ist stabil. Beobachter befürchten nun jedoch, dass sich das Virus in dem beengten Lager mit den schlechten hygienischen Bedingungen wie ein Lauffeuer ausbreitet.

Dem infizierten Mann sei laut griechischen Behörden bereits im Juli Asyl gewährt worden. Anschließend sei er zunächst aus Moria abgereist, um in Athen Arbeit zu finden. Da das – wohl auch aufgrund der wirtschaftlichen Probleme im Zuge der Corona-Pandemie nicht klappte, sei er an den einzigen Ort zurückgekehrt, der ihm blieb: die Flüchtlingshölle von Moria. Dort wird nun allen Kontakten des Mannes nachgegangen, heißt es. Das Migrationsministerium teilte mit, dass das Lager nun für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werde. Klartext: Die Regierung sperrt die Menschen im Lager ein – möglicherweise mit dem Virus.

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14 Tage lang darf niemand das Lager verlassen, berichtet die griechische Online-Zeitung stonisi.gr. Um das durchzusetzen sei bereits die Polizeipräsenz um das Lager erhöht worden. Um das Virus im Lager einzudämmen, sollen die Kontakte des infizierten Mannes isoliert werden. Ein Team von Epidemiologen sei bereits auf dem Weg auf die Insel Lesbos, auf der das Lager Moria liegt.

Das Flüchtlingslager von Moria. Eine Isolierung ist hier kaum möglich. Foto: AFP/Aris Messinis

Wie eine Isolation von Kontaktpersonen ablaufen soll, ist jedoch noch fraglich. Schließlich leben nach aktuellen Schätzungen mindestens 13.000 Menschen in dem für 2500 Personen ausgelegten Lager. Erschwerend kommt hinzu, dass Mitte August die Corona-Isolierstation, die die Organisation Ärzte ohne Grenzen im Camp aufgebaut hatte, nach einer baurechtlichen Klage eines Anwohners geschlossen werden musste. Ohne diese Station sei eine Isolation im Camp „auf gar keinen Fall möglich“, sagte „Ärzte ohne Grenzen“-Projektleiterin Caroline Willemen dem Portal jetzt.de nach der Schließung. „Isolieren kann sich niemand. Es gibt nur eine Gemeinschaftstoilette, zu der man durch das halbe Camp laufen muss. Es gibt auch viel zu wenig Wasserhähne und sie funktionieren nur eingeschränkt, auch Seife ist nicht immer da.“ Moria sei wie ein „riesiges Massenevent“, dass sich über Monate ziehe, sagte Willemen. Dabei seien die doch eigentlich wegen Corona in ganz Europa verboten.

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Bereits im März, als die Corona-Pandemie sich in Europa breitmachte, warnten Beobachter vor diesem Szenario. Doch geschehen ist seither wenig: Während die griechische Regierung rund 1900 Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufs Festland brachte, holte Deutschland nach langem Ringen 47 Kinder aus dem Lager. Bundesinnenminister Horst Seehofer verhinderte sogar einen Vorstoß des Landes Berlin, 300 Flüchtlinge von den griechischen Inseln in die Hauptstadt zu holen.

Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt, der schon mehrfach als Beobachter auf Moria gewesen ist, fordert gegenüber dem KURIER einen zügigen und unbürokratischen Ausbau der medizinischen Kapazitäten, damit „weder Geflüchtete noch Inselbevölkerung unter einem Kollaps des Gesundheitssystems leiden“. Zudem kritisierte er einmal mehr, dass es in Zeiten einer Pandemie überhaupt überfüllte Flüchtlingslager gebe. Es brauche „eine Bundesregierung, die die Aufnahmebereitschaft in Deutschland nutzt und Strukturen für Quarantäne- und Testmöglichkeiten, um eine Verbreitung des Virus in und aus Moria zu verhindern“.