Dieses Waldstück im Amazonas-Gebiet wurde im Juli von den Flammen zerstört. Foto: dpa/Edmar Barros

Auf Brasilien wird dieser Tage vor allem mit Sorge geschaut. Virologen beunruhigt der Umgang mit der Corona-Pandemie, Menschenrechtler die Hetzjagd auf Homosexuelle und andere Minderheiten - und Umweltschützer die Situation des Regenwaldes im Amazonasgebiet. Während der verheerende Feuer-Sommer 2019 vielen noch sehr präsent ist, zeigen aktuelle Zahlen, dass der diesjährige noch viel schlimmer werden könnte.

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Die Hiobsbotschaften kommen derzeit vor allem von Brasiliens Institut für Weltraumforschung (Inpe). Demnach sind im brasilianischen Amazonasgebiet in den vergangenen 12 Monaten mindestens 9000 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden. Das sei eine Steigerung um rund 35 Prozent, teilte das Institut mit. 

Hinzu kommt, dass die Zahl der Brände im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen hat. Im Juni 2020 wurden laut Inpe mehr als 2200 Brände gezählt, fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juli waren es sogar 6800 Feuer, rund 28 Prozent mehr als 2019. Allein am 30. Juli brannte es im Amazonasbecken mehr als 1000 Mal – so oft brannte es an nur einem Tag zuletzt vor 15 Jahren.

Wo Feuer wüteten, bleibt oft nur Zerstörung zurück. Foto: Imago-Images/Sandro Pereira

Mit Blick auf den August, der traditionell der feuerreichste Monat im Amazonas ist, verheißt das nichts gutes. Allein im brasilianischen Regenwald loderten im August 2019 mehr als 75.000 Brände. Sollte auch diese Zahl weit übertroffen werden, erwartet Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland, eine „existenzielle Katastrophe“. „Erreichen wir nicht bald eine Trendumkehr, könnte der Amazonas langfristig verloren gehen“, wird er auf der Website der Stiftung zitiert.

Umweltschützer sehen die vermehrte Abholzung und den Anstieg der Brände in einem direkten Zusammenhang mit dem rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro. Dem 65-Jährigen wird vorgeworfen, Brände in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für die Landwirtschaft zu erschließen. Er hatte bereits in seinem Wahlkampf angekündigt, das Amazonas-Gebiet wirtschaftlich stärker zu erschließen. Auch gegen internationale Proteste öffnete er immer wieder Schutzgebiete für Landwirtschaft und Bergbau.