Die Delta-Variante B.1.617.2  in einer Photomontage imago images/Christian Ohde

Die zunächst in Indien entdeckte Corona-Variante Delta gibt immer mehr Rätsel auf. Sie ist nicht nur deutlich ansteckender, sondern erzeugt auch andere Symptome als bisher vom Coronavirus bekannt. 

Zutage kam dies durch die Auswertung von Daten einer britischen App zur Überwachung von Corona-Symptomen. Patienten meldeten zuletzt am häufigsten Kopfschmerzen, eine laufende Nase und eine raue Kehle, so die BBC am Montag. Nur selten wurde dagegen der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn genannt, eines der charakteristischen Symptome des Corona-Wildtyps.

Kopfschmerzen und laufende Nase statt Verlust des Geschmackssinns

Tim Spector vom King’s College London, der die Zoe Covid Symptoms-Studie leitet und die gemeldeten Symptome auswertet, sagte dem Sender: „Seit Anfang Mai haben wir uns die häufigsten Symptome der App-Nutzer angeschaut – und sie sind nicht mehr dieselben wie zuvor.“ Zwar gehöre Fieber noch immer dazu, aber der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, sei weniger gängig. Zeitlich passe dies mit der Verbreitung der Delta-Variante zusammen. Für einige jüngere Menschen könne sich Covid-19 somit stärker wie eine einfache Erkältung anfühlen, sagte Spector – und rief Betroffene auf, sich in jedem Fall testen zu lassen.

In Großbritannien macht die als sehr ansteckend geltende Delta-Variante bereits mehr als 90 Prozent aller Fälle aus. Aufgrund der hochgeschnellten Ansteckungszahlen sah sich die britische Regierung veranlasst, geplante weitgehende Öffnungen um vier Wochen zu verschieben. Für den 21. Juni hatten viele Briten bereits den „Freedom Day“ ausgerufen. Masken und Abstandsregeln sollten fallen. Die Zahl der Neuinfektionen steigt seit Tagen, die Sieben-Tage-Inzidenz ist von unter 20 auf zuletzt 67,5 in die Höhe geschnellt, und auch in den Krankenhäusern sind wieder mehr Corona-Patienten.

Sorge vor Ausbreitung der Delta-Variante auch in Frankreich

Auch in Frankreich wächst die Sorge vor einer Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus. Derzeit werde bei zwei bis vier Prozent der positiven Corona-Tests, die auf Varianten untersucht werden, die zunächst in Indien entdeckte Variante festgestellt, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag in Paris. Das klinge zwar nach wenig, sei aber vergleichbar mit der Lage in Großbritannien vor einigen Wochen.

Die Delta-Variante verbreitet sich in Großbritannien, obwohl dort bereits 61,2 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten hat. 42,9 Prozent sind bereits zweimal geimpft. Deutschland hat nach anfänglich schleppend angelaufener Impfungen deutlich aufgeholt: Inzwischen ist hierzulande fast jede zweite Person mindestens einmal geimpft, mehr als jeder Vierte vollständig.

Auch hierzulande könnte die Inzidenz also erneut ansteigen, sollte sich die Delta-Variante verbreiten. Anlass zu Corona-Panik geben die Daten jedoch nicht. Wer sich impfen lässt, ist auch bei Infektionen mit der Delta-Variante gegen schwere Verläufe geschützt: Das geht aus einer britischen Datenanalyse hervor. Voraussetzung ist allerdings ein vollständiger Impfschutz, eine Einzeldosis reicht nicht. Das gilt jedenfalls für zwei Dosen der Mittel von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca. Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante, teilte die Behörde Public Health England (PHE) am späten Montagabend mit.

Teil-Impfung schützt bei Delta-Variante nicht vor Krankenhauseinweisung 

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verglichen mit dem von Ungeimpften verringert. Die Untersuchung bestätige, wie wichtig es sei, die zweite Impfung zu erhalten, sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Vor allem beim Astrazeneca-Impfstoff fiel die Schutzwirkung nach der ersten Dosis der Auswertung zufolge noch merklich geringer aus.

Für die PHE-Studie wurden zwischen dem 12. April und dem 4. Juni insgesamt 14.019 symptomatische Infektionen mit der Delta-Variante in England berücksichtigt, von denen 166 in Krankenhäusern behandelt wurden. Zuvor hatte bereits eine im Fachjournal „Nature“ veröffentlichte Studie ergeben, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer vor der zuerst in Indien aufgetretenen Corona-Variante Delta (B.1.617.2) gut schützt.