Anastasia Biefang, Kommandeurin der Bundeswehr, steht in einem Saal des Bundesverwaltungsgerichtes. dpa/Sebastian Willnow

Was geht den Arbeitgeber eigentlich das intime Privatleben an? Nach Auffassung der Richter am Bundesverwaltungsgericht mehr, als es eine hochrangige Bundeswehr-Kommandeurin für sich beanspruchte. Kommandeurin Anastasia Biefang, die 2020 vom Bundeswehrstandort Storkow zur Cyber-Abwehr nach Bonn gewechselt war, legt Wert auf die strikte Trennung ihres Privatlebens von dem Dienst bei der Bundeswehr.

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Tinder-Anzeige: „Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome.“

Ihre Vorgesetzten nahmen jedoch Anstoß daran, wie sich die 47-Jährige auf dem Dating-Portal Tinder präsentierte. Der Fall liegt nun drei Jahre zurück: 2019 hatte sich Anastasia Biefang in einer Tinder-Anzeige so vorgestellt: „Spontan, lustvoll, trans*, offene Beziehung auf der Suche nach Sex. All genders welcome.“ Das ging der Bundeswehr zu weit, ihr Disziplinarvorgesetzter erteilte ihr einen Verweis. Biefang war damals Kommandeurin des Informationstechnikbataillons 381 in Storkow. Sie wehrte sich gegen die Disziplinarmaßnahme.

Der Fall landete vor dem 2. Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgerichts. Das entschied am Mittwoch: Die Soldatin muss ihren privaten Auftritt auf einem Dating-Portal im Internet zurückhaltend gestalten. Sie dürfe ihre Worte nicht so wählen, dass ihr Ansehen als Soldatin beschädigt werde, entschieden die Richter am Mittwoch (Az.: BVerwG 2 WRB 2.21).

Pflicht von Soldatinnen und Soldaten, auch außerhalb des Dienstes „ordnungsgemäß“ aufzutreten

Schon das Truppendienstgericht in der Vorinstanz hatte den Verweis bestätigt. Es sah einen Verstoß gegen die Pflicht von Soldatinnen und Soldaten, auch außerhalb des Dienstes „ordnungsgemäß“ aufzutreten. Die Formulierung in der Tinder-Anzeige habe Zweifel an der moralischen Integrität der Kommandeurin erweckt.

Der Wehrdienstsenat des Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung grundsätzlich. Zwar werde durch das Verhalten der Soldatin nicht gleich das Ansehen der gesamten Bundeswehr beschädigt. Sie sei jedoch ihrer Pflicht zur Wahrung des eigenen Ansehens nicht nachgekommen. Biefang habe als Kommandeurin mit 1000 Mitarbeitern eine besonders repräsentative Position innegehabt.

„Da müssen Formulierungen vermieden werden, die Zweifel an der charakterlichen Integrität wecken.“

„Wir denken, dass ein Kommandeur auch im Internet seine Worte wählen muss“, sagte der Vorsitzende Richter Richard Häußler in der Urteilsbegründung. „Da müssen Formulierungen vermieden werden, die Zweifel an der charakterlichen Integrität wecken.“

Biefang reagierte enttäuscht auf die Entscheidung. Sie wisse nach wie vor nicht, was an ihrer Darstellung missverständlich gewesen sein soll, sagte die 47-Jährige. „In Zukunft werde ich wohl meine Profile durch meine Vorgesetzen prüfen lassen, ob das rechtmäßig ist.“ Biefang, die den Rang eines Oberstleutnants hat, ist inzwischen Referatsleiterin im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn.