Nur gucken, nicht bestellen. Könnte ja ein Nachstellkuchen sein. dpa-tmn

Ein zauberhaftes Café in Leipzig, sächsische Freundlichkeit gepaart mit süßen Versuchungen an der Kuchentheke und verschiedenen Vitrinen. Also: Platz gesichert, erstes Schälchen Heeßen bestellt, Maske auf und ran an die Vitrinen zum Kuchensuchen.

Nach scheinbar endlosem Abwägen und der inneren Frage, in welcher Reihenfolge ich mir die begehrten Tortenstückchen bestelle, folgt ein Dialog mit der Bedienung, der doch sehr stark an Loriot erinnert.

Lesen Sie auch: Leckerer Traubenkuchen mit Rosmarin-Zucker: DIESES Rezept aus Italien müssen Sie probieren! >>

Kuchenbestellung mit wachsender Verzweiflung

„Also, ich hätte gern ein Stückchen von dem Käsekuchen …“

„Tut mir leid, das geht nicht …“

„Ich meine den Käsekuchen dort in der Vitrine.“

„Ja, ich weiß, aber das geht nicht …“

„Äh, möchten Sie den nicht anschneiden?“

„Nein, das ist der Nachstellkuchen …“

„Der, bitte, was!?“

„Na, der Nachstellkuchen …“

„Tut mir leid, aber ich verstehe nicht …“

Habe ich mich als dummer Wessi geoutet?

In der Tat fühle ich mich auf einmal sehr verloren in dem sich füllenden Café. Hektisch überlege ich, ob es sich möglicherweise um einen speziellen Begriff aus der Gastronomie zu DDR-Zeiten handelt, der mir nicht geläufig ist, ich mich hiermit schon wieder als dummer Wessi oute.

Die freundliche und sehr geduldige Serviererin bemerkt meine Fragezeichen in den Augen und setzt zu einer ersten Erklärung an:

„Also dort in der Vitrine und oben im ersten Stock in der Vitrine stehen die Kuchen, die wir verkaufen. Und in dieser Vitrine (sie dreht sich formvollendet um) stehen unsere Nachstellkuchen. Die kommen zum Einsatz, wenn die Kuchen in den anderen Vitrinen aus sind ….“

Kuchen nur zum Angucken

So langsam ahne ich, worauf es hinausläuft. „Also, wenn ich jetzt ein Stück Käsekuchen essen möchte, dann muss ich erst warten, bis die Schoko-Mango-Torte alle ist?“, wage ich einen letzten verzweifelten Vorstoß in der Hoffnung, sie habe ein Einsehen mit mir.

„Ja“, strahlt sie mich an. „Und das kann aber noch dauern.“

Ein aller-, allerletzter verzweifelter Versuch meinerseits: „Hmm, das heißt, sie zeigen ihren Gästen Kuchen, den sie dann aber gar nicht bestellen können. Macht das denn Sinn?“

„Naja, wenn sie das so sehen, dann sollten wir vielleicht nochmal drüber nachdenken.“

Ich bestelle die Schoko-Mango-Torte und hoffe inständig, dass sich das mit dem Nachstellkuchen niemals durchsetzen wird.

PS: Wenn Sie jetzt das Wort „Nachstellkuchen“ googeln möchten: Es lohnt sich nicht, Sie finden ... nichts (bis auf diesen Artikel). Was wiederum auch dafür spricht, dass es sich nicht durchsetzen wird.