Diese undatierten Fotos zeigen Walter Glenn Primose, auch bekannt als Bobby Edward Fort, und seine Frau Gwynn Darle Morrison, auch bekannt als Julie Lyn Montague, angeblich in Uniformen des KGB.
Diese undatierten Fotos zeigen Walter Glenn Primose, auch bekannt als Bobby Edward Fort, und seine Frau Gwynn Darle Morrison, auch bekannt als Julie Lyn Montague, angeblich in Uniformen des KGB. dpa/United States District Court

Als Bobby Edward Fort 1994 von der US-Küstenwache einberufen wurde, war er 27 Jahre alt. 22 Jahre später schied er aus dem Dienst und arbeitete für einen Rüstungskonzern in Honolulu. Doch in Wahrheit war Bobby Fort schon lange tot: Er war im Alter von nicht einmal drei Monaten 1967 in einem Krankenhaus in Texas gestorben. Der Bobby Fort, der bei der Küstenwache angeheuert hatte, hatte die Identität des toten Babys vor 35 Jahren gestohlen. Mithilfe einer falschen Geburtsurkunde konnte der Mann sich fünf Pässe, Führerscheine und Referenzen des US-Verteidigungsministeriums besorgen. Jetzt schwebt Spionage-Verdacht über ihm und über seiner Frau.

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Wie der Mann, der seinen Namen als Walter Glenn Primrose angab, soll auch seine Ehefrau  Gwynne Darle Morrison jahrzehntelang unter der geraubten Identität eines in Texas gestorbenen Kindes gelebt haben. Ein Bezirksrichter ordnete Untersuchungshaft für den inzwischen 66-Jährigen an.

Am Dienstag wird über die Entlassung der Frau auf Kaution verhandelt

Die Anhörung seiner gleichfalls 1955 geborenen Frau, deren falscher Name Julie Lyn Montague lautete, soll am Dienstag erfolgen. Dann wird entschieden, ob sie auf Kaution freikommt.

Die Anhörung Primroses brachte keinen Aufschluss darüber, warum das Paar seine eigene Vergangenheit verschleierte, sondern warf im Gegenteil neue Fragen auf. Ob der Fall über gestohlene Identitäten hinausgeht, ist ebenfalls noch unklar. Staatsanwalt Wayne Myers deutete jedoch an, dass der beschuldigte Mann Beziehungen ins Ausland haben könnte.

„Wir glauben, dass der Angeklagte offensichtlich sehr versiert darin ist, sich als jemand anders auszugeben, offizielle Ausweisdokumente zu erhalten, zu täuschen und nicht entdeckt zu werden“, sagte Myers. „Er könnte – wir sagen nicht, dass das sicher der Fall ist – beunruhigende ausländische Verbindungen haben. Und wenn das zutrifft, könnte er diese womöglich nutzen, um sich Hilfe suchen.“

Bei einer Durchsuchung des Hauses, in dem das Paar auf Hawaii lebte, wurden dem Staatsanwalt zufolge verblichene Polaroids gefunden, auf denen beide in offenbar echten russischen KGB-Uniformen zu sehen sind. Ein Experte datierte den Zeitpunkt der Aufnahme auf die 80er Jahre.

Geheimtinte im Haus des Ehepaars mit der gestohlenen Identität

In dem Haus wurden zudem ein Set mit Geheimtinte, Dokumente in verschlüsselter Sprache sowie Karten von Militärstützpunkten sichergestellt, wie Myers sagte. Aufnahmen von einem Gespräch des Paares unter vier Augen hätten auf einen Spionage-Hintergrund hingewiesen.

Der Pflichtverteidiger der beiden, Craig Jerome, erklärte, die Regierung habe nur Spekulationen und keine Beweise dafür vorgelegt, dass das Paar in ein schwereres Verbrechen verwickelt sein könnte. Wenn der Fall nicht derart aufgeladen worden sei, wäre sein Mandat sicher freigelassen worden, sagte Jerome.

Staatsanwälte fürchten, der Mann mit der gestohlenen Identität könnte flüchten

Die Ankläger sahen indes eine Fluchtgefahr. Sie wiesen vor Gericht darauf hin, dass Primrose bei der Küstenwache als Elektrotechniker gearbeitet habe und hochqualifiziert sei, um im Fall einer Freilassung verdeckt kommunizieren zu können. Ob seine Ehefrau  gegen Kaution auf freien Fuß kommt, will das Gericht am Dienstag entscheiden.

Laut Megan Kau, Anwältin der Frau, betonte, hätten die Eheleute unabhängig von den Namen, die sie gebrauchten, ein unbescholtenes Leben geführt. In den mutmaßlichen KGB-Uniformen hätten beide zum Spaß für Fotos posiert. „Sie will, dass alle wissen, dass sie keine Spionin ist“, sagte Kau über ihre Mandantin. „Das alles ist unverhältnismäßig aufgeblasen worden. Die Regierung schießt über das Ziel hinaus.“

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Die Geschichte des Paares beginnt in Texas, wo Primrose und Morrison zusammen zur Schule und aufs College gingen und 1980 heirateten. In den frühen 80er Jahren verkündeten sie ihren Angehörigen, in ein Zeugenschutzprogramm zu gehen, wie Myers sagte. Sie übergaben die Schlüssel für ihr Haus in Nacogdoches und sagten den Verwandten, diese könnten sich nehmen, was sie wollten. Dann verließen die Eheleute abrupt die Stadt und Texas, das Haus wurde später zwangsversteigert.

Als sie wiederauftauchten, hatten sie neue Namen und unterschiedliche Erklärungen dafür, was passiert war. Primrose nahm 1987 die Identität des 1967 gestorbenen Babys Fort an, Morrison die von Julie Lyn Montague, die 1968 im selben Krankenhaus im  texanischen Burnet gestorben war. In ihren neuen Ausweispapieren waren die Eheleute beide mehr als zehn Jahre jünger als in Wahrheit.

Ehepaar heiratete mit falschen Namen ein zweites Mal

Ihrem Umfeld erzählten sie laut Myers, dass sie ihre Namen aus rechtlichen und finanziellen Gründen hätten ändern müssen. Primrose erklärte einmal, er sei ein Regierungsvertreter und könne deshalb keine Fotos von sich selbst teilen. Gerichtsdokumenten zufolge heiratete das Paar unter den neuen Namen 1988 noch einmal.

Primrose interessiere sich nach Angaben von Staatsanwalt Myers seit langem für Spionage. Seine Frau sei regierungs- und militärkritisch eingestellt gewesen und soll zu Zeiten des Kommunismus in Rumänien gelebt haben, was Anwältin Kau jedoch als falsch zurückwies.

Das Ehepaar, das am Freitag in seinem Haus in Kapolei festgenommen worden war, wird wegen Verschwörung zur Begehung einer Straftat gegen die USA, falscher Angaben im Passantrag und schweren Identitätsdiebstahls angeklagt. Ihnen drohen bis zu 17 Jahre Gefängnis, wenn sie in allen Anklagepunkten verurteilt werden.