Arbeiter des Gesundheitswesens tragen Schutzkleidung und führen in einem Slum im indischen Mumbai Covid-19-Tests durch. Foto: Ashish Vaishnav/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Wie verändert sich das Coronavirus? Wird es noch ansteckender, wird es aggressiver, oder schwächt es sich ab und verschwindet? Diese Frage stellen sich nicht nur Forscher, denn all das hat direkte Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie. Der jüngste Ausbruch in Peking hat die Debatte um die Veränderung des Virus befeuert. Auslöser soll eine mutierte Variante des Virus sein, die auch in Europa verbreitet ist und von außen nach China eingetragen wurde. Vorläufige Ergebnisse einer Studie des amerikanischen Scripps Research Institute deuten darauf hin, dass diese Variante von Sars-CoV-2 möglicherweise infektiöser ist als andere.

„Das Virus ist mutiert!“, hört man Leute erschreckt ausrufen. Doch dieser Vorgang ist ganz normal und alltäglich. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben Forscher weit über hundert Mutationen im Virusgenom identifiziert. Diese entstehen, weil die Viren ständig Kopien ihres Erbguts herstellen. Sie docken an Zellen an, schleusen dort ihre RNA ein und zwingen die Zellen, Millionen neuer Viren zu produzieren. Und das in kürzester Zeit. Dabei entstehen Kopierfehler, Mutationen. Häufig findet man bereits in einem einzelnen Patienten mehrere Virusvarianten. 

Mittlerweile gibt es mehr als 50.000 komplett sequenzierte Genome des Virus, unter anderem hochgeladen auf der Internet-Plattform gisaid.org. An den Mutationen lässt sich vieles erkennen, unter anderem, dass sich die ersten Menschen zwischen dem 15. Oktober und dem 8. Dezember 2019 mit Sars-CoV-2 infizierten.

Virus mutiert alle zwei Wochen

„Das Virus mutiert ungefähr alle zwei Wochen“, sagt Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien an der Universität Basel. Das passiere allerdings nicht wie in einem Uhrwerk, sondern manchmal kämen drei Mutationen auf einmal und dann wieder sechs Wochen lang keine. 

„Wir haben gesehen, dass das mutierte Virus fast zehnmal mehr Zellen angreifen kann als das nicht mutierte“, sagte die Forscherin Hyeryun Choe, die diese Mutation mit ihrem Team vom Scripps Research Institute in Florida untersuchte. Die Virusvariante hat sich ursprünglich in Europa entwickelt, wo sie inzwischen dominiert, und sie setzt sich zunehmend auch in Amerika durch. „Drei von vier Infizierten in Deutschland haben die mutierte Form.“ Das Virus löse keine schwereren Krankheitsverläufe aus, aber es sei ansteckender und leichter übertragbar. Die Chance, sich zu infizieren, sei höher, wenn man sich nicht schütze, sagte Hyeryun Choe.

Für Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Gießen, haben die Mutationen aber bisher keine besonderen Folgen, was zum Beispiel die Impfstoffentwicklung betrifft, an der er mit einer internationalen Arbeitsgruppe beteiligt ist. Man sei dabei, einen ziemlich breiten Impfstoff aufzustellen, der sich nicht nur auf das Spike-Protein stütze, sagte Weber.

Wie Mutationen den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflussen werden, weiß zurzeit niemand. Eine Schreckensvision ist die Spanische Grippe von 1918. Hier starben in der zweiten Welle im Herbst – nach Mutationen des Grippevirus – viele Millionen Menschen, vor allem 18- bis 40-Jährige.