Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern, das Bundesland hat die wenigsten Coronafälle. Stefan Sauer/dpa

Die Unterschiede fallen auf:  Die Corona-Infektionszahlen sind in den ostdeutschen Bundesländern verhältnismäßig niedrig. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind deutlich weniger betroffen als etwa Bayern und Nordrhein-Westfalen – in absoluten Zahlen als auch auf 100.000 Einwohner gerechnet. Die Demografie spielt hier eine Rolle, die Traditionen – und auch der Geldbeutel.

„Es kommen schon immer mehrere Aspekte zusammen“, sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Entschleunigend bei der Virusausbreitung könne etwa ein hoher Anteil alter, weniger mobiler Menschen wirken. „Wir gehen oft in erster Linie davon aus, dass Alter ein Risikofaktor für schwere Erkrankungen ist“, sagt Zeeb der Deutschen Presse-Agentur. „Das stimmt auch, aber die Ausbreitung ist zu Beginn wahrscheinlich tendenziell vor allem über jüngere Menschen erfolgt, über Reisende.“ Und wenn ein Virus gar nicht in eine Region gelange, könne es sich dort auch nicht auf die Älteren übertragen.

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In Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg sei das Virus wohl vielerorts aus Skigebieten wie Ischgl in Österreich eingeschleppt worden, so Zeeb. Solche Berichte aus ostdeutschen Bundesländern seien seltener. „Das Reiseziel hat ja durchaus auch etwa mit dem sozioökonomischen Status des Reisenden zu tun“, sagt Zeeb mit Blick auf die Gehälter, die in Ostdeutschland durchschnittlich geringer sind als im Westen: „Ausführliche Winterurlaube können besonders Leute machen, die ausführlich Geld haben.“ Zudem seien Karnevalsveranstaltungen in einigen westdeutschen Regionen traditionell beliebter sind als im Osten. Solche Feste hatten bei der Ausbreitung eine große Bedeutung.

Glücksfall für den Osten: Frühzeitige Prävention

Auch die Bevölkerungsdichte ist ein Faktor. „Gerade Mecklenburg-Vorpommern fällt mit niedrigen Zahlen auf: Ein Bundesland mit sehr geringer Bevölkerungsdichte und viel ländlicher Struktur.“ Es gebe aber auch Gegenbeispiele: Bremen etwa habe eine hohe Bevölkerungsdichte und dennoch recht niedrige Infektionszahlen. „Das zeigt eben auch, dass das Ganze jetzt nicht so einfach schwarz und weiß zu beschreiben ist.“  

Ein Glücksfall sei gewesen, dass die ersten Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung beschlossen wurden, als es in den ostdeutschen Bundesländern meist erst wenig Fälle gab: „Das ist ja das Optimale, wenn man Prävention früh genug einführt, damit eben nichts passiert.“

Hartnäckig hält sich die These, dass viele Ostdeutsche von der Impfpflicht in der DDR profitierten, weil die Tuberkulose-Impfung auch gegen das Coronavirus immunisiere. Dafür gebe es bislang aber keine Beweise, betont Experte Hajo Zeeb.