Darrell Lee Clark (rotes Shirt) und Cain Joshua Storey (blauer Anzug) umarmen ihre Familien nach ihrer Freilassung.
Darrell Lee Clark (rotes Shirt) und Cain Joshua Storey (blauer Anzug) umarmen ihre Familien nach ihrer Freilassung. Georgia Innicence-Project

Es muss unvorstellbar gewesen sein: Mit nur 17 Jahren wurden Darrell Lee Clark und Cain Joshua Storey im Jahr 1998 wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Nachdem sie weit mehr als ihr halbes Leben in Gefangenschaft verbracht haben, konnten sie nun im Alter von 42 Jahren wieder von ihren Familien in die Arme geschlossen werden. Grund dafür ist auch ein Podcast.

Podcast holt zwei Männer aus dem Knast

Die Journalistinnen Jacinda Davis und Susan Simpson nahmen den Fall aus dem US-Bundesstaat Georgia für die erste Staffel ihres Podcasts „Proof“ genau unter die Lupe. Sie arbeiteten auf, wie Clark und Storey zu Tätern gemacht wurden. Denn so eindeutig, wie das Urteil von 1998 es darlegte, war der Fall nie gewesen.

Die eigentliche Tat ereignete sich im Jahr 1996. Storey hatte offenbar mit seinem damaligen Freund Brian Bowling Russisch-Roulette gespielt. Ein leichtsinniges und immer wieder tödliches Spiel, bei dem ein Revolver mit einer Kugel geladen und auf gut Glück am eigenen Kopf abgedrückt wird. Bei diesem Spiel starb Bowling. Storey wurde zunächst wegen Totschlags angeklagt, der die Waffe zu seinem Freund mitgebracht hatte. Dieser Tathergang wird auch durch einen Anruf bestätigt, den Bowling kurz vor seinem Tod machte.

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Clark und Storey kommen frei.
Clark und Storey kommen frei. Georgia Innocence Project

Doch bei dem Totschlagsvorwurf blieb es nicht. Wie der „Proof“-Podcast zusammen mit dem Georgia Innocence Project, das sich für die Freilassung unschuldiger Täter einsetzt, herausarbeitete, sei es Bowlings Familie gewesen, die die Ermittler in eine andere Richtung drängte, um einen Schuldigen für den Tod ihres Sohnes zu bekommen. Die Anklage erhöhte den Vorwurf gegenüber Cain Joshua Storey auf Mord und weitete diese auch auf Darrell Lee Clark aus, obwohl dieser ein bestätigtes Alibi hatte. Dennoch folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft und ging davon aus, dass Clark und Storey sich gegen Bowling verschworen hatten.

Nach 25 Jahren Haft: Freigelassene erleichtert

„Du denkst nie, dass dir so etwas passieren wird“, sagte Clark in der Erklärung. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mehr als die Hälfte meines Lebens im Gefängnis verbringen würde, besonders für etwas, das ich nicht getan habe.“ Er sei froh, dass die Wahrheit ans Licht gekommen sei. „Ich bin dem Georgia Innocence Project und dem ‚Proof‘-Podcast so dankbar für das, was sie getan haben. Ohne sie wäre ich immer noch im Gefängnis.“

Denn die Aussagen der Podcasterinnen Davis und Simpson waren wohl entscheidend für den Ausgang des neuen Verfahrens, das im Namen der beiden Inhaftierten noch einmal aufgerollt wurde. Die beiden Journalistinnen hatten im vergangenen Jahr viele Gespräche geführt und dabei offenbar entscheidende Aussagen gefunden, die nun zu der Freilassung der beiden Männer führten. So fanden sie heraus, dass die Familie des Opfers eine Schlüsselzeugin zu falschen Aussagen zwang und ein wichtiger Zeuge nicht wirklich zurechnungsfähig war.

Während Clark komplett freigesprochen wurde, bekannte sich Storey des fahrlässigen Totschlags schuldig und akzeptierte eine zehnjährige Haftstrafe. Diese hat er nach 25 Jahren im Gefängnis längst abgesessen.

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Es ist nicht der erste Fall, in dem ein True-Crime-Podcast dafür sorgt, dass eine langjährige Haftstrafe aufgehoben wird. Der weltweit bekannte „Serial“-Podcast sorgte dafür, dass Adnan Syed nach mehr als 23 Jahren wieder freikam.