Kabinenpersonal in Schutzkleidung begrüßt Reisende auf dem Weg nach China an Bord eines Fluges vom JFK-Flughafen und prüft deren Temperatur.
Kabinenpersonal in Schutzkleidung begrüßt Reisende auf dem Weg nach China an Bord eines Fluges vom JFK-Flughafen und prüft deren Temperatur. dpa/Wang Fujyama

Widersprüchliche Nachrichten zur Entwicklung des Corona-Virus verunsichern derzeit viele Menschen: Millionen Chinesen haben sich mit Corona infiziert, viele Krankenhäuser in dem Riesen-Land sind völlig überlastet. Sorgen um neue Mutationen des Virus veranlassen immer mehr Länder, Vorsichtsmaßnahmen bei Einreisen aus China zu verhängen. Doch die jüngste, folgenschwere Mutation wurde nicht in China, sondern in den USA registriert. Es sei die „ansteckendste Subvariante, die bislang entdeckt wurde“, warnt eine WHO-Expertin.

Nach Angaben von Maria Van Kerkhove, Leiterin des WHO-Programms zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, ist es die „ansteckendste Subvariante, die bislang entdeckt wurde“. Es gebe bislang aber keine Anzeichen dafür, dass XBB.1.5 schwerere Erkrankungen auslöst als andere Virusvarianten. Der Anstieg der XBB.1.5-Fälle mache deutlich, wie wichtig es sei, „Covid-19 weiterhin weltweit zu überwachen“, sagte Van Kerkhove am Mittwoch in Genf.

Vor allem an der Nordostküste der USA breitet sich die neue Corona-Variante XBB.1.5 massiv aus

Vor allem in den USA breitet sich die Omikron-Subvariante XBB.1.5 massiv aus: Rund 40 Prozent aller Neuinfektionen waren in der letzten Dezemberwoche dort darauf zurückzuführen. In dem Land ist nach Angaben der US-Seuchenagentur CDC die Zahl der Covid-bedingten Hospitalisierungen deutlich angestiegen. Allerdings stellt die CDC keine überproportionale Hospitalisierungsrate in Gegenden fest, wo diese Variante vorherrscht, sondern einen allgemeinen Anstieg Covid-bedingter Krankenhauseinweisungen.

Vor allem im Nordosten der USA ist XBB.1.5 auf dem Vormarsch. Sie wurde allerdings inzwischen schon in 29 Ländern nachgewiesen, auch in Europa. Angesichts der massiven Verbreitungsrate ist es nur eine Frage der Zeit, wann XBB.1.5 auch in Deutschland auftreten wird. 

„Hoffentlich kommen wir durch den Winter bevor eine solche Variante sich bei uns ausbreiten kann. Wir überwachen, ob und wie stark XBB.1.5. in Deutschland auftritt“, zeigt sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) besorgt.

Virologen uneins: Könnte XBB.1.5. auch in Deutschland eine neue schwere Corona-Welle auslösen?

Virologen sind sich derzeit noch uneins, ob XBB.1.5. auch in Deutschland eine neue schwere Corona-Welle auslösen könnte. Genom-Sequenzierer und Krebsforscher Moritz Gerstung erwartet sogar, dass sich die neue Variante sogar weltweit ausbreiten wird und sogar die bislang vorherrschenden Omikron-Varianten BQ.1.1 und XBB.1 verdrängen könnte. Dennoch hält er die dadurch ausgelöste Krankheitslast bislang eher für überschaubar.

Charité-Chefvirologe Christian Drosten hatte das Auftreten neuer Varianten vorhergesagt. Angesichts der Durchimpfung und Ansteckungen mit bisherigen Varianten in Deutschland sei das Potenzial jedoch gering, dass neue Varianten noch einmal für eine massive Überlastung des Gesundheitssystems und Anschnellen der Todeszahlen in Deutschland sorgen könnten.

Laut Alexander Kekulé handelt es sich bei XBB.1.5 „um einen Nachfahren von BA.2 und diese Variante hatte nur einen kleinen Auftritt in Europa“, so der Virologe im Fokus. Es sei bislang nicht vorherzusagen, ob eine geringe Immunität gegen XBB.1.5 hierzulande eine größere Infektionswelle auslösen könnte. Zum einen sei die neue Virusvariante ansteckender, zum anderen führe die Mutation zur Immunflucht, so dass vorherige Corona-Ansteckungen und Impfungen nicht vor der Infektion schützen. Dennoch gibt es bislang keine Hinweise, dass vollständig geimpfte oder mit vorherigen Varianten infizierte Menschen an XBB.1.5 schwer erkranken.

Sorge vor massiver Corona-Ansteckungswelle aus China: Deutschland beschließt Testpflicht für Reisende

In seinem „Corona-Kompass“-Podcast hält Kekulé wiederum Sorgen vor massiven Ansteckungen durch chinesische Reisende für weitestgehend unbegründet. Das wiederum sehen immer mehr Regierungen innerhalb der EU anders, nun auch die Bundesregierung. 

Deshalb müssen Flugpassagiere aus China künftig bei Reiseantritt nach Deutschland einen Corona-Test vorlegen. Sie benötigten „mindestens einen Antigenschnelltest“, erklärte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Donnerstag. Zudem würden bei der Einreise stichprobenartige Tests vorgenommen, „um Virusvarianten zu erkennen“. Darüber hinaus werde es ergänzende Abwasserkontrollen für China-Reisen geben.

Lauterbach verwies auf die EU-Empfehlung zum Umgang mit China-Reisen und nannte sie eine „gute Entscheidung“. Der Minister fügte hinzu: „Auf dieser Grundlage verändern wir jetzt kurzfristig auch die deutsche Einreiseverordnung.“

Die Europäische Union hatte den Mitgliedsstaaten am Mittwoch angesichts der Corona-Infektionswelle in China eine Testpflicht für Reisende aus dem Land „nachdrücklich“ empfohlen. Wie die schwedische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, rieten Vertreter der Mitgliedstaaten bei einem Treffen des Krisenmechanismus IPCR überdies zu stichprobenartigen Tests bei Ankünften sowie zur Analyse der Abwässer von Flügen aus China.