FDP-Chef Christian Lindner erkrankte im April in den USA an Corona, musste in Quarantäne und sah gar nicht gut aus, als er sich per Video an den Bundesparteitag wandte.
FDP-Chef Christian Lindner erkrankte im April in den USA an Corona, musste in Quarantäne und sah gar nicht gut aus, als er sich per Video an den Bundesparteitag wandte. dpa/Michael Kappeler

Das war ein Steilpass auf die FDP-Sturmspitze: Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der  Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hatte sich für die Aufhebung aller Pflichten zu Isolierung und Quarantäne von Corona-Infizierten ausgesprochen. Den  Ball nahmen  mehrere Politiker der Liberalen auf. Zum Beispiel Vize-Chef Wolfgang Kubicki. „Aus meiner Sicht ist es sowohl epidemiologisch als auch aus Gründen der Eigenverantwortung überfällig, den Menschen diese Entscheidung wieder zu überlassen.“

FDP-Sorgen um die Anwesenheit der Arbeitskräfte, mit Corona oder ohne

Generalsekretär Bijan Djir-Sarai warnte vor Personalausfällen durch Isolationspflichten. „Wir werden in systemrelevanten Bereichen vor enormen Herausforderungen stehen, wenn wir massenhaft positiv Getestete ohne Symptome in die Isolation schicken.“

FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus signalisierte, es sei alles nicht so schlimm. Durch Impfungen seien viele Menschen vor schweren Krankheitsverläufen geschützt.

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Zuvor hatte der oberste Kassenarzt Gassen erklärt, Corona-Isolations- und Quarantänepflichten sollten „bis auf weiteres aufgehoben werden, dadurch würde die Personalnot vielerorts gelindert“. Wer krank sei, solle zu Hause bleiben. „Wer sich gesund fühlt, geht zur Arbeit.“

FDP erntet breiten Widerspruch

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Saskia Weishaupt hingegen plädierte für ein Festhalten an den Regeln. Wenn Menschen zur Arbeit gingen, sollten sie nicht der Gefahr ausgesetzt sein, sich anzustecken. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): „Infizierte müssen zu Hause bleiben. Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen noch mehr, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko.“

Ins selbe Horn stößt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Eine Pandemie ist keine Privatveranstaltung“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Infizierte, die sich nicht isolierten, könnten auch ohne eigene Symptome andere anstecken und deren Gesundheit gefährden. „Man löst zudem keinen Personalmangel, indem man viele Infizierte in die Betriebe lässt, die dann wieder andere infizieren“, so Weil.

Auch Lehrerverbände übten scharfe Kritik an dem Vorschlag. Derzeit gilt für die allgemeine Bevölkerung, dass die vorgeschriebene Isolation für Corona-Infizierte nach fünf Tagen enden kann – mit einem „dringend empfohlenen“ negativen Test zum Abschluss.