Ein Mund-Nasenschutz liegt im Regen auf der Straße. Einkaufen soll künftig auch ohne Maske gehen. Aber: muss man sich darauf wirklich einlassen? dpa/Christoph Schmidt

Nur noch ein paar Tage, dann sollen die Masken fallen, auch in Berlin. Viele der Corona-Regeln, die sich in den vergangenen zwei Jahren in unser Leben schlichen, gelten nicht mehr. Und das inmitten einer Ansteckungsrate, über die wir am Anfang der Pandemie noch erschüttert die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätten. Pandemie? Masken runter!

Maskenpflicht abgeschafft? Was für ein Irrsinn!

Zum Beispiel beim Einkaufen: Zahlreiche Geschäfte haben trotz Empfehlung, das Hausrecht für die weitere Umsetzung der Maskenpflicht zu nutzen, abgelehnt. Danke dafür. Endlich können wir frei atmen, aber auch: Endlich können wir wieder frei und ohne Einschränkungen unsere Keime verteilen, uns gegenseitig anstecken.

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Ich erinnere mich noch an die Zeit, bevor die Corona-Welle nach Deutschland rollte. Es gab bereits die ersten Fälle in Bayern, ansonsten war uns allen völlig unklar, welche Ausmaße diese Krise nur Wochen später annehmen sollte. Damals fuhr ich mit der U-Bahn zur Arbeit. Vom Tierpark bis zum Alex, die Züge vollgestopft, wir standen wie Sardinen in der Dose. Und: Erkältungen hatten Saison. Es wurde geschnieft und gehustet, überall. Man wusste gar nicht, wohin man sich während der Fahrt drehen sollte, um nicht von offensichtlich erkälteten Mitfahrern angeatmet zu werden.

Und nicht nur das: Zweimal wurde ich während der Fahrt angeniest. Mitten ins Gesicht, ich spürte die Tröpfchen auf den Wangen! Ich kam in die Redaktion, den Speichel fremder Menschen im Gesicht, und dachte: Wir haben gegen Corona keine Chance. Ich habe danach mit Ärzten telefoniert, um für den KURIER Tipps aufzuschreiben, wie man sich in der Erkältungszeit richtig verhält. Ohne sich und andere zu gefährden.

Desinfektionsmittel hatte niemand, Armbeuge klang nach Yoga-Übung

Wir Deutschen hatten vor der Pandemie ja, wenn wir ganz ehrlich sind, sowieso ein seltsames Verhältnis zu solchen Infektionskrankheiten. Erkältet oder sogar mit Grippe zur Arbeit? Klar! Dafür gibt es sicher einen Orden, irgendwann! In der U-Bahn andere anstecken? Egal! Desinfektionsmittel hatten wohl die wenigsten dabei, die Armbeuge klang eher nach einer Yoga-Übung. In den Nachrichten musste erklärt werden, wie man sich richtig die Hände wäscht!

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Zwei Jahre später fallen die Masken. Viele freuen sich darüber, ich finde es angesichts der Zahlen gruselig. Ich hoffe aber, dass viele etwas aus der Pandemie lernen, dass sich unser Umgang mit Krankheiten, mit Hygiene nachhaltig verändert. Dass wir nun alle etwas mehr aufeinander achten, aber auch auf uns selbst. Aber auch: Dass die gewonnen Erfahrungen, beispielsweise die positiven Eindrücke vieler Firmen zur Arbeit im Homeoffice, uns helfen, die zukünftigen Grippe-Zeiten etwas abzumildern.

Ich jedenfalls habe beschlossen, meine Maske auch weiterhin zu tragen, ob beim Einkaufen oder überall dort, wo die Maskenpflicht vielleicht noch abgeschafft wird. Denn ich will auch nach dem angeblichen Ende der Pandemie mich und andere schützen. Alles andere kommt in der aktuellen Situation nicht in die Tüte.