Die Corona-Tests fallen wieder viel häufiger positiv aus. dpa/ Kira Hofmann

Viele Experten hatten gewarnt: Die Pandemie ist nicht vorbei. Das scheint sich jetzt zu bewahrheiten. Die Entwicklung ist bedrohlich. Seit einer Woche meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) wieder steigende Werte.

Mit der Tragödie in der Ukraine gerät die Corona-Pandemie in den nachrichtlichen Hintergrund. Das ändert aber nichts an den Fakten. Die Vorfreude über das vermeintlich nahende Ende der Virus-Bedrohung kam wohl ein bisschen früh. Nach längerem Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz steigen die Zahlen seit sieben Tagen wieder.

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Einige Wissenschaftler befürchten eine Trendwende. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Dienstag mit 1293,6 an. Vergangene Woche waren es 1171,9. Ganz vorne beim Wachstum: Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Nicht nur Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist besorgt.

5 Gründe dafür, dass die Zahlen wieder steigen

Was steckt hinter der Entwicklung? Fünf Gründe lassen sich ausmachen.

1. Der Omikron-Subtyp BA.2: Immer deutlicher werde, dass BA.2 noch ansteckender sei als die ursprüngliche Omikron-Variante, so Lauterbach. Schon seit Anfang des Jahres steigt der Anteil von BA.2. Die Variante dürfte in Deutschland inzwischen die Mehrheit der Neuinfektionen ausmachen.

Die Modellierer um Kai Nagel von der TU Berlin hatten bereits vor mehr als zwei Wochen erklärt, dass sich ein Wiederanstieg der Infektionszahlen ab Ende Februar abzeichne. Reagiert wurde darauf von der Politik nicht.

2. Mehr Ältere betroffen: Die bisherige Omikron-Welle traf besonders die jüngeren Altersgruppen. Jetzt sinkt die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen deutlich. Dafür sind viel mehr Ältere betroffen. Für Menschen ab 65 stehe der Scheitelpunkt der Welle noch bevor, teilte das RKI mit.

3. Karneval: Auffällig ist ein Anstieg der Zahlen in einigen Regionen von NRW und Rheinland-Pfalz – alles Karnevalshochburgen. So steigen die Zahlen beispielsweise in Köln dramatisch. Auch das NRW-Gesundheitsministerium geht von einem Zusammenhang mit den Feiern aus. Betroffen sind besonders die 20- bis 29-Jährigen. Ganz ähnlich ist die Entwicklung in Städten wie Düsseldorf und Mainz.

Der Karneval wie hier in Köln hat die Corona-Zahlen steigen lassen. dpa/Thomas Banneyer

4. Lockerungen: Der Wegfall einiger Corona-Maßnahmen am 4. März kann sich noch nicht unmittelbar in den Zahlen widerspiegeln. Dafür ist die Zeit, die zwischen Infektion, Symptombeginn, Test und Fallmeldung ans RKI vergeht, zu lang. Es gab aber in den Wochen zuvor bereits diverse Lockerungen in einigen Bundesländern. Auch hier ist statistisch offenbar ein Zusammenhang erkennbar.

Jetzt befürchten Experten, dass sich dieser Effekt noch potenziert. In der Gastronomie und Hotellerie etwa gilt wieder die 3G-Regel. Ungeimpfte würden durch die zunehmenden Kontakte wieder stärker ins Infektionsgeschehen einbezogen, glaubt etwa der Bioinformatiker Lars Kaderali aus dem Expertenrat der Bundesregierung.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist in Sorge. dpa/Robert Michael

Geplant ist, dass am 20. März fast alle Corona-Maßnahmen wegfallen. Möglich, dass die Zahlen dann wieder explodieren.

5. Öffnungsstimmung: Weit verbreitet sei das Gefühl, die Pandemie ist überstanden, beklagen Wissenschaftler. Auch weil Corona aus den Schlagzeilen verdrängt wurde. Dabei hänge die Entwicklung wesentlich davon ab, wie sich die Menschen angesichts von Lockerungen verhalten, so Modellierer Kai Nagel. Haben sie wieder so viele Freizeitaktivitäten wie vor der Pandemie, sei eine weitere Steigerung fast unvermeidlich. Sein Team beobachte sehr genau, wie sich die Mobilität aktuell entwickelt.

Die Rufe nach mehr Vorsicht im Land werden wieder lauter. Zumal die Flüchtlingswelle bisher unkalkulierte Risiken in Bezug auf Corona mit sich bringt.

Impfungen verhindern schwere Verläufe

Dass die Krankenhäuser in der aktuellen Omikron-Welle bisher relativ wenig belastet wurden, führt das RKI vor allem auf die Wirksamkeit der Impfung zurück. Zudem verursache Omikron grundsätzlich seltener schwere Verläufe. Aber gefährlich bleibe das Virus trotzdem weiterhin. Die Zahl der täglichen Todesfälle in Deutschland stieg zuletzt wieder auf 324.

Weltweit wurde nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP die Schwelle von sechs Millionen Corona-Toten überschritten. Bis Dienstagmittag starben laut den Statistiken der einzelnen Länder insgesamt 6.003.081 Menschen an Covid-19. Die meisten Toten haben mit 960.311 die USA zu beklagen, es folgen Brasilien mit 652.341 und Indien mit 515.210.