Nach den letzten Mitteilungen des Robert Koch-Instituts wurden 607 neue Corona-Ansteckungen binnen einer Woche auf 100.000 Einwohner gemeldet. Die wahre Zahl dürfte deutlich höher liegen, weil weniger getestet wird. 153 Menschen starben an einem Tag an Covid-19.
Nach den letzten Mitteilungen des Robert Koch-Instituts wurden 607 neue Corona-Ansteckungen binnen einer Woche auf 100.000 Einwohner gemeldet. Die wahre Zahl dürfte deutlich höher liegen, weil weniger getestet wird. 153 Menschen starben an einem Tag an Covid-19. imago/René Traut

Die Omikron-Sommerwelle, die sich in den letzten Tagen stabil hoch ist, führt zu Personalengpässen an Krankenhäusern und Flughäfen. In Kindertagesstätten und Arztpraxen haben die Beschäftigten ein noch weitaus höheres Risiko, an Corona zu erkranken. Das zeigt eine  Datenanalyse der AOK Nordost. Auch in Bereichen des Gesundheitswesens, die bislang noch nicht im Fokus stehen, sei wegen der Infektionszahlen Personalmangel zu erwarten.

Kita-Erzieherinnen hatten in diesem Jahr von allen Berufsgruppen in Berlin das höchste Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren. Fast 16 von hundert aller bei der AOK Nordost versicherten Berliner Erzieherinnen meldeten sich von Januar bis Mai wegen einer ärztlich diagnostizierten Coronainfektion bei der Arbeit krank.

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Erzieherinnen fielen damit rund mehr als doppelt so häufig wegen Corona bei der Arbeit aus als der Durchschnitt der Beschäftigten. Im Schnitt blieben in den ersten fünf Monaten des Jahres 7,1 Prozent der Berliner AOK-Versicherten wegen einer Coronainfektion der Arbeit fern.

Weil in Berlin etwa jeder Fünfte bei der AOK Nordost versichert ist, seien die Ergebnisse annähernd repräsentativ für alle Krankenversicherten, erklärten die Studienmacher.

Diese Berufsgruppen trifft Corona am häufigsten. Fett gedruckt sind die Gesundheitsberufe.
Diese Berufsgruppen trifft Corona am häufigsten. Fett gedruckt sind die Gesundheitsberufe. AOK Nordost

Auch medizinische Fachangestellte, die in Berlins Arztpraxen am Empfang arbeiten, hatten mit 14,5 Prozent in Berlin ein sehr hohes Corona-Infektionsrisiko. Und das trotz weiterhin bestehender Maskenpflicht in medizinischen Einrichtungen.

Berliner Arztpraxen sind damit mutmaßlich noch weitaus stärker von coronabedingten Personalausfällen betroffen als die Krankenhäuser.  Denn Beschäftigte in der Krankenpflege fielen mit einer Quote von 7,9 Prozent 2022 nur rund halb so oft wegen einer Covid-19-Infektion aus wie medizinische Fachangestellte.

In den Top 10 dominieren Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe

In den Top 10 der am häufigsten von Covid-19-Krankschreibungen betroffenen Berufsgruppen in Berlin dominieren weitere Gesundheitsberufe und pädagogische Berufe,also Jobs, bei denen die Beschäftigten engeren Kontakt zu anderen Menschen haben: Ein hohes Corona-Infektionsrisiko haben demnach Physiotherapeuten, Führungskräfte in der Krankenpflege, dem Rettungsdienst und der Geburtshilfe, Heilerziehungspfleger, die behinderte Menschen unterstützen, und schließlich Sozialarbeiter.

Neu in der traurigen Spitzenreiter-Gruppe sind etliche Bürojobs in der Sozialverwaltung, in der Steuerberatung sowie bei Banken. 2020 waren sie dort noch nicht zu finden. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Omikron-Varianten weitaus ansteckender sind als frühere Corona-Varianten, sich deshalb stärker in Großraumbüros verbreiten – und dass in diesem Jahr weniger im Home-Office gearbeitet wurde als in früheren Phasen der Pandemie.

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AOK-Chefin: Auch in Kitas, Arztpraxen und Büros drohen Personalausfälle

„Unsere Datenanalyse zeigt, dass angesichts steigender Omikron-Infektionszahlen nicht nur in Krankenhäusern und an Flughäfen, sondern auch in Kitas, Arztpraxen und in vielen Büroberufen mit einer steigenden Zahl an Personalausfällen zu rechnen ist. Die Bundesregierung sollte sich nun zeitnah auf eine neue Rechtsgrundlage für Corona-Schutzmaßnahmen einigen, damit im Hinblick auf den Herbst zielgenaue Schutzmaßnahmen möglich sind. Aber auch Arbeitgeber sind aufgerufen, die Erfahrungen der vergangenen Monate auszuwerten und geeignete Schutzmaßnahmen für ihre Belegschaften zu ergreifen.“ sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.

Wer älter ist, fällt mit Covid-19 länger aus

Aus der Analyse geht auch hervor, dass die Beschäftigten, die an Covid-19 erkrankt waren, im Schnitt knapp zehn Tage lang bei der Arbeit fehlten. Je älter die Versicherten waren, desto länger fehlten sie im Schnitt im Job: Beschäftigte, die jünger als 30 Jahre alt, waren nach durchschnittlich etwas über acht Krankheitstagen wieder bei der Arbeit.  Beschäftigte über 60 Jahre benötigten hingegen durchschnittlich mehr als zwölf Tage, um wieder arbeitsfähig zu sein.