In einem Labor wird getestet. (Symbolbild) Foto: dpa/Uwe Anspach

Corona-positiv! Die Diagnose ist für viele Menschen ein Schock. Was bedeutet das für sie? Werden sie einen schweren Verlauf haben? Müssen sie vielleicht an eine Lungenmaschine angeschlossen werden? Werden sie Langzeitfolgen davontragen? Zumindest die erste Frage könnte künftig mit einem einfachen Urintest abgeklärt werden. Ein entsprechender Test wurde nun vorübergehend in Deutschland zugelassen.

Mithilfe des Tests könnten schwere Verläufe von Covid-19 früher und gezielter behandelt und damit abgemildert werden, heißt es im Deutschen Ärzteblatt. Darin erklärt Christoph Lübbert, Chefarzt der Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum St. Georg in Leipzig, die Wichtigkeit der frühen Erkennung.„ Niemand, der positiv auf Sars-CoV-2 getestet ist, weiß in der Früh­phase der Erkrankung, ob ihm ein schwerer Verlauf bevorsteht und er eventuell auf der Intensiv­station behandelt werden muss. Zudem wirken spezifische Medikamente, wie neutralisierende Anti­körper, nur in der frühen Phase der Erkrankung“, so Lübbert.

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In einer Studie mit 330 Patienten, die im Sommer 2020 vom Bundesgesundheitsministerium beauftragt und gefördert wurde, konnte der Test schwere Verläufe mit 90-prozentiger Sicherheit von leichten Verläufen unterscheiden. Der Urintest mit der Bezeichnung DiaPat-CoV-50 folgt demselben Prinzip wie Proteomanalysen, die bereits zur Früherkennung chronischer Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Diabetes mellitus eingesetzt werden. Bei der Proteomanalyse werden Proteine und Peptide aus der Körperflüssigkeit gewonnen, um daraus ein Muster zu erkennen, das dann mit charakteristischen Krankheitsmustern verglichen wird. Im Urin eines gesunden Menschen befinden sich zwischen 500 und 1500 Polypeptide.

Die Sonderzulassung gilt aktuell nur bis Ende Februar, gut möglich, dass sie noch einmal verlängert wird. Etwas für die breite Masse ist dieser Test allerdings ohnehin noch nicht. Denn die Urinproben könnten laut den Zulassungs-Auflagen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nur an sieben Orten in Deutschland abgegeben werden. Zur Untersuchung der Proben ist bislang nur ein Speziallabor in Hannover befugt.

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Zudem ist der Preis mit 850 Euro pro Test auch aktuell nicht gerade günstig. Die Kosten dafür tragen zunächst nicht die Krankenkassen, sondern der Bund. Der steht derzeit in Verhandlungen mit dem Hersteller über die künftige Preisgestaltung.