Um wieder zur Normalität zurückzukehren, sucht die Welt mit Hochdruck nach einem Impfstoff. dpa/Friso Gentsch

Es ist kein Grund zum Aufatmen, aber ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen das Coronavirus und damit auf dem Weg zurück in die Normalität: Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat erstmals in Deutschland eine Zulassung für die klinische Prüfung eines Impfstoff-Kandidaten erteilt. Das Mainzer Unternehmen Biontech erhält demnach die Genehmigung, seinen Wirkstoff zu testen, wie das PEI am Mittwoch mitteilte. Für die Tests sollen rund 200 gesunde Freiwillige bereitstehen.

Studie soll Sicherheit des Impfstoffes testen

„Die Erprobung von Impfstoffkandidaten am Menschen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen Covid-19 für die Bevölkerung in Deutschland und darüber hinaus“, teilte das PEI mit. Die Genehmigung sei das Ergebnis einer sorgfältigen Bewertung des potenziellen Nutzen-Risiko-Profils des Impfstoffkandidaten. Biontech kooperiert bei der Entwicklung des Impfstoffs mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer.

Der zu testende Wirkstoff wurde vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelt.
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In der klinischen Studie der Phase I/II soll unter anderem grundlegend die Verträglichkeit und Sicherheit des Impfstoff-Kandidaten geprüft werden. Der von Biontech entwickelte Wirkstoff gehört in die Gruppe der genbasierten Impfstoffe. Diese enthalten genetische Informationen des Erregers. Im Körper werden daraus Proteine hergestellt, gegen die das Immunsystem Abwehrstoffe bildet.

In Deutschland werden nach Angaben von PEI-Präsident Klaus Cichutek in diesem Jahr voraussichtlich insgesamt vier klinische Studien mit einem Impfstoffkandidaten starten. Dass bereits in diesem Jahr ein erster zugelassener Impfstoff für die allgemeine Bevölkerung bereit steht, hält Cichutek für unwahrscheinlich.

Derweil laufen in den USA und China bereits seit längerem klinische Studien mit anderen möglichen Impfstoffen. Weltweit laufen mindestens 80 Projekte, die einen solchen Stoff entwickeln wollen.

Schweizer will schon im Oktober gegen Covid-19 impfen

In der Schweiz preschte indes der Immunologe Martin Bachmann vor, der selbst einen Impfstoff-Kandidaten entwickelt hat. Er möchte die nötigen Studien und Genehmigungsverfahren so schnell durchlaufen, dass er schon im Oktober Massenimpfungen in der Schweiz für möglich hält. „Der Zeitplan ist optimistisch, aber nicht komplett an den Haaren herbeigezogen“, sagte ein Sprecher der Schweizer Aufsichtsbehörde Swissmedic. „Angesichts der Dringlichkeit, die die Coronavirus-Pandemie mit sich bringt, sprechen wir beim Zulassungsverfahren von Wochen, nicht von Monaten.“

Der Schweizer Immunologe Martin Bachmann
dpa/Pascal Gugler

Eine erste kleine Studie an Menschen soll laut Bachmann im Juli starten. An nur wenigen Teilnehmern wird dabei zunächst die Sicherheit und allgemeine Verträglichkeit getestet. „Wir halten uns an alle Auflagen, wir beschleunigen die Prozesse nur“, sagte Bachmann.

Trumps "Gottesgeschenk" ist wirklos

Wie wichtig eine ausreichende Anzahl an Studien ist, bevor ein Stoff auf Patienten losgelassen wird, zeigt das von US-Präsident Donald Trump als "Gottesgeschenk" beworbene Hydroxychloroquin. Eine Studie, die Krankheitsverläufe von 368 Patienten untersuchte, die mit dem Malaria-Mittel behandelt wurden, zeigt, dass diese Patienten nicht weniger oft an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden mussten als andere. Die Sterberate sei sogar signifikant höher, als bei Behandlungen ohne dieses Medikament.

Die Forscher erklärten, es liefen derzeit größere und belastbarere Studien inklusive Placebo-Gruppen zur Verwendung des Medikaments. Deren Ergebnisse würden aber erst später vorliegen. Daher sei es das Ziel ihrer Analyse gewesen, aktuelle „Erkenntnisse zu den klinischen Ergebnissen“ zu bieten.