Auf dieser Intensivstation werden Menschen mit dem neuartigen Coronavirus behandelt. Foto: dpa/Steve Parsons

Wie absolut durchgeknallt ist das amerikanische Gesundheitssystem? Der Fall von Michael Flor verdeutlich das. Der 70-Jährige wurde in der Presse scherzhaft „Wunderkind“ genannt, weil er nach 62 Tagen Behandlung gegen Covid-19 geheilt aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Jetzt kann man seinen Spitznamen in „Million Dollar Baby“ umwandeln. Denn der Mann aus Seattle bekam die Rechnung von Krankenhaus zugeschickt: 1.122.591 Dollar.

Flors Überlebensprognosen waren so schlecht gewesen, dass er sich im April bereits telefonisch von seiner Frau Elisa Del Rosario und Kindern verabschiedetet hatte. Ein paar Tage zuvor hatte er von seiner Isolierstation im Swedish Medical Center seine Frau am Telefon angefleht: „Hol mich hier raus, wir können uns das nicht leisten.“ Womit er nicht unrecht hatte.

Michael Flor wurde mehr als 60 Tage im Krankenhaus behandelt. Foto: KCPQ

Kaum war er wieder zuhause, flatterte die Krankenhausrechnung ins Haus. Mit einer genauen Aufzählung der Dienstleistungen und Kosten. So wurden ihm jeder Tag auf der Intensivstation mit 9736 Dollar berechnet. Weil er 42 Tage lang noch zusätzlich eine Isolationskammer brauchte, kam die Gesamtrechnung für den Aufenthalt auf der Intensivstation sogar auf 408.912 Dollar. Die 29 Tage, die er an ein Beatmungsgerät angeschlossen waren, wurde ihm mit 82 215 Dollar (oder 2835 Dollar pro Tag) berechnet. Knapp 300.000 Dollar machten Medikamente aus, die man Flor verabreicht hatte. Insgesamt wurden fast 3000 individuelle Posten abgerechnet.

Flors Reaktion, als er die Rechnung sah: „Ich machte sie auf und sagte ‚Heiliger Scheiss‘. Als nächstes habe ich mich schuldig gefühlt, weil ich überlebt habe. Ich dachte nur, warum ich?“ Zum Glück wurde ihm mitgeteilt, dass seine Versicherung alles bis auf 6000 Dollar Selbstbeteiligung übernehmen wird. Und selbst diese Summe hofft Flor auch noch wegzubekommen, weil der Kongress Coronakranken finanzielle Hilfe zugesichert hat.

Der „Seattle Times“ sagte er dazu: „Es ist mir schon klar, dass Steuerzahler für einen Teil meiner Behandlung aufkommen müssen. Ich persönlich bin natürlich schon der Meinung, dass mein Leben 1 Million Dollar wert ist. Aber ich fürchte, ich bin der einzige, der das sagt‘.“