Covid steht auf diesem Sarg eines am Coronavirus gestorbenen Menschen in Dresden. Aber es versterben aktuell deutlich mehr Menschen, als die Corona-Todesstatistik es erwarten lässt.  dpa/Sebastian Kahnert

465 Corona-Todesfälle meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag. Als wären diese Zahlen nicht schlimm genug, liegt die Übersterblichkeit bereits seit September deutlich über den Zahlen, die die RKI-Statistik ausweist. Die deutliche Übersterblichkeit in Deutschland seit Anfang September ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur zum Teil auf die gemeldeten Corona-Todesfälle zurückzuführen.

Die beim Robert-Koch-Institut gemeldeten Covid-19-Todesfälle für Oktober erklärten beispielsweise gerade einmal ungefähr ein Drittel der gestiegenen Übersterblichkeit in diesem Monat, sagte Felix zur Nieden, Referent für demografische Analysen und Modellrechnungen beim Statistikamt, am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Wiesbaden.

Der Anstieg habe vermutlich mehrere Gründe, und jeder klingt fürchterlich. So könnte eine „Dunkelziffer“ an nicht gemeldeten Corona-Todesfällen ebenso eine Rolle spielen wie Spätfolgen von Corona-Erkrankungen, sagte Nieden. Möglicherweise zeigten sich auch die Auswirkungen von verschobenen Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Gewissheit dazu werden laut Statistikamt aber erst detailliertere Forschungsergebnisse bringen, der genaue Beitrag einzelner Effekte lasse sich derzeit nicht beziffern.

Fast eine Million Deutsche im Jahr 2020 verstorben, deutlich mehr als im Vorjahr

Insgesamt führten die bisherigen Corona-Wellen in Deutschland zu einer Übersterblichkeit. „Von März 2020 bis Mitte November 2021 sind in Deutschland mehr Menschen verstorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre“, sagte Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamts. Der Anstieg der Sterbefallzahlen sei nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar.

Insgesamt starben im Jahr 2020 bundesweit rund 985.600 Menschen - das waren fünf Prozent oder 46.000 Verstorbene mehr als im Jahr 2019. Allein aufgrund der Alterung der Bevölkerung wäre nur ein Anstieg der Sterbefallzahlen um etwa zwei Prozent oder etwa 20.000 Fälle zu erwarten gewesen. In den ersten zwölf Monaten der Pandemie von März 2020 bis Februar 2021 starben siebeneinhalb Prozent oder fast 71.000 Menschen mehr als in den zwölf Monaten davor.

Deutlich mehr Todesfälle in Brandenburg und Berlin

Die Corona-Pandemie hat auch in Berlin und Brandenburg zu einer Übersterblichkeit geführt. Nach den Daten des Statistischem Bundesamts starben in Berlin zwischen März 2020 und vergangenem Februar 38.713 Menschen, 4060 oder 11,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum aus dem Jahr davor. Das zeigen die Sterbefallzahlen, die das Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden vorstellte. In Brandenburg starben zwischen März 2020 und Februar dieses Jahres 36.168 Menschen. Das waren 3905 (12,1 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

In ganz Deutschland gab es im genannten Zeitraum 1.009.150 Sterbefälle, 70.734 oder 7,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit liegen die Werte bei der Übersterblichkeit in Berlin und Brandenburg deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Die höchste Übersterblichkeit gab es in Sachsen mit einem Plus von 19 Prozent.

Seit Beginn der Pandemie seien in Deutschland mehr Menschen gestorben, als unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre, sagte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Christoph Unger. „Der Anstieg der Sterbefallzahlen ist nicht allein durch die Alterung der Bevölkerung erklärbar, sondern maßgeblich durch die Pandemie beeinflusst.“