Im Universitätsklinikum Düsseldorf wird ein Infizierter behandelt. Sein Zustand wird als kritisch beschrieben. Foto: David Young/dpa

Das Coronavirus hat Deutschland erreicht. Seit Dienstag wurden fünf neue Fälle bestätigt. Die Behörden befürchten aber, dass sich weit mehr Menschen angesteckt haben. Erkrankt ist ein 25-Jähriger aus Baden-Württemberg und ein Ehepaar aus Heinsberg in NRW – die Frau (46) ist Kindergärtnerin, der Mann (47) hat zuletzt noch an einer Karnevalssitzung teilgenommen.

Er leidet unter eine Vorerkrankung und schwebt in Lebensgefahr. Die Kinder des Paars werden derzeit ebenfalls untersucht. Wo sich das Ehepaar angesteckt hat, ist derzeit noch völlig unklar. Im Kreis Heinsberg wurden alle Schulen, Kitas, Schwimmbad und Bücherei geschlossen. Im Bundeswehr-Krankenhaus in Koblenz wird ein Soldat behandelt, der Kontakt zu dem Mann aus dem Kreis Heinsberg hatte. Zwischenzeitlich wurde deshalb der militärische Stützpunkt in Köln-Wahn abgeriegelt.

Aus Leverkusen und Köln wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet. Auch alle bekannten Personen aus dem Umfeld des Erkrankten aus dem Kreis Göppingen in Baden-Württemberg werden gründlich untersucht. Bisher ohne Ergebnis. Der Mann hat das Virus vermutlich von einer Mailand-Reise mitgebracht. Am späten Nachmittag meldeten die Behörden zwei weitere bestätigte Corona-Infektionen in Baden-Württemberg. Angesichts der Entwicklung spricht die Bundesregierung von einer „neuen Situation“.

Italien ist in Europa bisher am stärksten vom Coronavirus betroffen 

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch, bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Erstmals seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr neu gemeldete Fälle außerhalb Chinas als in der Volksrepublik selbst. Am Dienstag wurden aus China 411 neue Infektionen mit dem Virus gemeldet, außerhalb Chinas wurden am selben Tag 427 neue Fälle gemeldet, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf berichtete.

Das Coronavirus hat Italien erreicht: Krankenhaus-Alltag in Mailand. Foto: Diego Puletto/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Das am stärksten betroffene Land außerhalb Chinas ist Südkorea. Das Virus hatte im Dezember in China seinen Ausgang genommen und breitet sich seither in immer mehr Länder aus. Derzeit sind weltweit rund 40 Länder betroffen. In der Volksrepublik sind nach offiziellen Angaben mehr als 78.000 Menschen mit dem Virus infiziert, dort gibt es bislang mehr als 2700 Todesfälle.

In Europa ist Italien am stärksten betroffen, dort infizierten sich nach Behördenangaben vom Mittwoch bislang mindestens 374 Menschen, zwölf Menschen starben. Bei allen Todesopfern in Italien handelt es sich demnach um ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Die österreichischen Behörden haben die wegen eines Coronavirus-Falls verhängten Quarantänemaßnahmen für ein Hotel in Innsbruck wieder aufgehoben.

Bestätigt ist in der Alpenrepublik aber, dass es zwei Infizierte in Tirol gibt. Betroffen sind eine Frau und ein Mann, beide 24 Jahre alt. Das Paar stammt aus der Gegend Bergamo in der Lombardei, der besonders betroffenen Region in Italien. Inzwischen melden auch Kroatien, das spanische Festland und die Schweiz Covid-19-Fälle. Ein Hotell mit 1000 Gästen auf der Insel Teneriffa steht immer noch unter Quarantäne.

19 Menschen im Iran am Coronavirus gestorben 

In Griechenland wurde die erste Infektion bei einer 38-jährigen Frau bestätigt. Sie hatte Norditalien besucht und werde in einer Klinik in Thessaloniki isoliert. Aus Sorge vor dem neuartigen Coronavirus ist in Frankreich nach dem Tod eines Touristen aus Hongkong ein Hotel teilweise abgeriegelt worden. Mitarbeiter und Gäste seien aufgerufen, das Hotel in der französischen Stadt Beaune in der Region Burgund nicht zu verlassen. In Japan gibt es 190 Infizierte, in Singapur rund 90.

Auch die Klinik am Eichert in Göppingen hat einen Corona-Patienten bestätigt. Er ist 25 Jahre alt. Foto: Alexander Wölfl/SDMG/dpa

In Südkorea kletterte die Zahl der Infektionen um 284 Fälle auf rund 1260 - darunter ein Soldat der US-Streitkräfte. Bisher brachten die Behörden zwölf Todesfälle mit dem Virus in Verbindung. Die Zahl der gemeldeten Covid-19-Opfer im Iran ist von 15 auf 19 gestiegen – darunter auch der Gesundheitsminister. Inzwischen sind insgesamt 135 Menschen aus verschiedenen Teilen des Landes positiv auf das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 getestet.