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Sie ist 27 Jahre, klug und attraktiv, sie hat kastanienbraune Augen und dunkle lange Haare – und sie ist tot. Ermordet von ihrem Geliebten. Lorena Quaranta musste sterben, weil ihr Freund Angelo dachte, sie habe ihn mit dem Coronavirus angesteckt.  

Liebe, Hass und Unwissenheit waren hier die Zutaten einer grausamen Tat. Angelo (28) und Lorena arbeiteten beide im gleichen Krankenhaus in der Hafenstadt Messina auf der italienischen Insel Sizilien – er als Pfleger, sie als angehende Ärztin. Beide im Kampf gegen das tödliche Virus Covid-19.

Lorena Quaranta (27) hatte ihr Medizin-Diplom gerade erst erhalten - dann musste sie sterben. Foto: Archiv

Lorena hatte ihr Medizin-Diplom gerade erst erhalten, da brach die Coronavirus-Pandemie über ihr Heimatland Italien herein. Beide kämpften an vorderster Front - immer ganz nah an den schwer erkrankten Corona-Opfern. Mehrfach prangerte Lorena öffentlich den Mangel an Schutzkleidung für medizinisches Personal in Italien an und sprach von ihrer Angst vor einer eigenen Ansteckung mit dem gefährlichen Sars-CoV-2-Erreger. Bevor es zu der schrecklichen Tat kam, waren bereits 41 Ärzte in Italien an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Nach dem Mord versuchte er, sich das Leben zu nehmen

Auch bei Angelo zeigten sich Symptome – und er dachte, Lorean habe ihn infiziert. Das machte ihn so wütend, dass er seinen Hass an Lorena auslebte. Danach rief er die Polizei. Unverzüglich machte sich die Polizei dann auf den Weg in seine Wohnung, doch sie kam zu spät. Der 28-jährige Angelo hatte die junge Lorena bereits zu Tode gewürgt. Um sich nach dem Mord an seiner Freundin selbst das Leben zu nehmen, schnitt Angelo sich nach der Tat die Pulsadern auf.

Die Polizei, die den jungen Mann blutend auffand, rief einen Krankenwagen. Angelo wurde in das Krankenhaus eingeliefert, in dem er und Lorena arbeiteten. Seine und Lorenas Kollegen konnten sein Leben retten. Und dann das: Covid-19-Tests, die unmittelbar nach dem Mord durchgeführt wurden, konnten weder beim dem Opfer noch beim Täter eine Coronavirus-Infektion feststellen.

Eine Tragödie in der Tragödie

Lorenas Eltern wurden gebeten, die Beerdigung rasch abzuhalten, da die Kapazitäten durch die hohe Zahl an Corona-Toten begrenzt seien. Es gab keine Zeit für einen Abschied. Die Bürgermeisterin von Messina Anna Alba sagte gegenüber der Presse: „Ihre armen Eltern haben bereits den Verlust ihrer Tochter erleiden müssen und nun können sie sich nicht einmal gebührend von ihr verabschieden. Es ist eine Tragödie in der Tragödie.“