Die Corona-Pandemie bringt in diesem Jahr Hunderte Miet-Weihnachtsmänner in Deutschland um ihren Job.  Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Seit 30 Jahren verwandelt sich Willi Dahmen in den Wochen vor dem Heiligen Abend in den Weihnachtsmann. Meist im roten Santa-Claus-Kostüm, manchmal auch als Heiliger Nikolaus tritt er in Kaufhäusern, bei Firmenfeiern und auf Weihnachtsmärkten auf. Für den 68-Jährigen ist es die stressigste und schönste Zeit des Jahres. Doch die Corona-Pandemie stellt auch sein Leben auf den Kopf. „Alle Verträge sind gecancelt“, sagt der Weihnachtsmann aus Celle mit einem Seufzen. „Mir blutet das Herz. Aus Frust habe ich mir letzte Woche meinen Bart abgeschnitten. Der ist nur noch drei Zentimeter lang.“

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Hunderte von Miet-Weihnachtsmänner bringt die Pandemie um ihren Job. Darunter sind viele selbstständige Künstler, die von der Krise ohnehin mit am stärksten gebeutelt sind. Reihenweise wurden Firmenfeiern und Weihnachtsmärkte abgeblasen, Kaufhäuser verzichten auf Back- und Bastelaktionen. An ein gemeinsames Adventssingen wagt niemand zu denken.

Willi Dahmen, professioneller Weihnachtsmann-Darsteller, kürzt mit einer Schere seinen Bart.  Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Willi Dahmen hat den Familien abgesagt, die er seit Jahren an den Feiertagen besucht. Er will auch kein Seniorenheim betreten: „Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn ich irgendwo das Virus reintragen würde.“ Der 68-Jährige lebt allein, im Arbeitszimmer steht sein mit rotem Samt bezogener Sessel, im Keller lagert ein Karton mit Stoff-Rentieren. Die wollte er eigentlich verteilen.

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„Ich werde die Kinder vermissen. Auch die alten Leute werden mir fehlen“, sagt der gebürtige Rheinländer. „Es ist das Schönste, ihre Reaktionen zu sehen, wenn man in den Raum kommt.“ Dahmen ist gelernter Krankenpfleger und war lange im Arbeitsamt tätig. Vor seiner Rente nahm er Urlaub für seine Auftritte. Der Weihnachtsmann ist für ihn mehr als eine Rolle, es ist eine Berufung. Ein Mundschutz passt aus seiner Sicht nicht dazu. Wenn Kinder auf ihn zustürmten, könne er zudem die Abstandsregeln nicht einhalten.

Zum Start des Teil-Lockdowns hieß es aus der Politik, es gehe darum, Weihnachten zu retten. Petra Henkert, die ein Weihnachtsbüro in Zeuthen bei Berlin betreibt, hat noch Hoffnung. Sie setze auf Bescherungen auf der Terrasse, im Garten oder vor der Haustür, sagt sie. Video-Botschaften oder Online-Auftritte könnten nur eine Notlösung sein. Henkert vermittelt Weihnachtsmänner und Engel.

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Jahrzehntelang war der Miet-Weihnachtsmann ein typischer Studentenjob. Doch schon vor Corona fanden die studentischen Jobvermittlungen keine Darsteller mehr, vor zwei Jahren stieg das Berliner Studierendenwerk aus. Die Arbeitsagenturen Hannover und Bremen haben eine große Kartei mit himmlischen Botschaftern und Geschenke-Überbringern. Dort stand bereits ein Hygiene-Konzept für die Weihnachtsmann-Vermittlung, doch wegen der steigenden Infektionszahlen habe man sich „schweren Herzens“ entschieden, in diesem Jahr auszusetzen, heißt es von der Behörde.

Bei der privaten Hamburger Agentur Blank & Biehl (weihnachtsmann-mieten.de) hingegen sind deutschlandweit Santa-Claus-Auftritte buchbar. „Wir haben ein Hygiene-Konzept aufgestellt“, sagt Geschäftsführer Jan Biehl. So könne unter einem künstlichen Bart unauffällig eine FFP2-Maske getragen werden. Singen sei aus Infektionsschutzgründen in diesem Jahr aber komplett verboten. „Alle haben außerdem die Pflicht, Handschuhe anzuziehen.“ Wie viele Weihnachtsmänner unter Corona-Bedingungen gebucht werden, kann Biehl noch nicht sagen. Bisher gebe es etwa ein Viertel weniger Anfragen.