Krankenpfleger im brasilianischen Manaus unterhalten sich mit Patienten auf der Intensivstation. Foto:  dpa/Lucas Silva

Während die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland seit einigen Wochen auf einem beruhigend niedrigen Niveau stagniert und täglich neue Lockerungen gefordert und verkündet werden, ist die Corona-Krise Weltweit noch längst nicht auf dem Höhepunkt. Am Dienstag meldete die Johns Hopkins Universität erstmals mehr als acht Millionen Infektionen. Und die Zahlen steigen immer schneller: Am vergangenen Donnerstag verzeichnete das US-Institut den Tag mit den meisten bestätigten Fällen. 138.000 positive Tests wurden am 11. Juni gemeldet. So viele wie nie zuvor, bis am Dienstag 139.500 Fälle gemeldet wurden.

Die meisten Infizierten gibt es mit 2,1 Millionen Menschen weiterhin in den USA, täglich kommen hier rund 20.000 positive Tests hinzu. Ähnliche Zahlen werden täglich aus Brasilien gemeldet, wo die Zahl der Infizierte am Dienstag 888.271 betrug und am Ende der laufenden Woche die Millionenmarke knacken dürfte.

44.000 Corona-Tote in Brasilien - und es wird gelockert

Ungeachtet dessen werden in dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas unter dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro, der Covid-19 stets als "leichte Grippe" abgetan hatte, die getroffenen Corona-Schutzmaßnahmen weiter gelockert. So sind seit einigen Tagen Geschäfte und Strände wieder offen. Die Folge waren lange Schlangen vor Einkaufszentren. Schon jetzt starben in Brasilien 44.000 Menschen an dem Virus, nur in den USA (116.000) sind es mehr. In beiden Ländern wird nicht damit gerechnet, dass es dabei bleibt. US-Forscher gehen bis zum 1. Oktober von mehr als 200.000 Corona-Toten in ihrem Heimatland aus.

Inzwischen ist längst nicht mehr nur Brasilien der Corona-Hotspot Südamerikas. So sind in den vergangenen Wochen Kolumbien, Peru und Chile zu kleineren Hotspots geworden. Peru, das nicht einmal halb so viele Einwohner wie Deutschland hat, vermeldete bis zum Dienstagnachmittag 233.000 Fälle, das kleine Chile mit seinen nur 18 Millionen Einwohnern meldete zu diesem Zeitpunkt 179.500 Coronafälle – nur unwesentlich weniger als Deutschland. Der 7-Tage-Trend zeigt hier ebenso wie in Kolumbien nach oben. Als Konsequenz musste in der vergangenen Woche bereits der chilenische Gesundheitsminister Jaime Mañalich seinen Hut nehmen.

Jaime Mañalich musste seinen Hut als Gesundheitsminister Chiles nehmen.
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Auch in Indien, Pakistan und Mexiko, aber auch Ägypten Südafrika verläuft die Verbreitung des Virus derzeit noch sehr dynamisch. In vielen anderen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent ist die Pandemie derweil noch nicht angekommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So verhängten viele Staaten sehr schnell, sehr strenge Maßnahmen. Auch sind die Menschen in vielen Regionen Afrikas weniger mobil als beispielsweise in Europa. Auch das bremste die Pandemie.

Corona-Ausbreitung in Afrika immer schneller

Doch dauerhaft können sich die Staaten Afrikas darauf auch nicht verlassen, wie Richard Mihigo, einer der Leiter der Corona-Bekämpfung bei der WHO Afrika sagt. „Das Tempo der Ausbreitung wird immer schneller“, sagte er der dpa. Grund dafür ist auch, dass viele Staaten beginnen, die Lockerungen wieder zurückzunehmen, um die wirtschaftlichen Folgen für die Menschen abzuschwächen. Viele, besonders prekär beschäftigte Menschen, haben bereits ihre Jobs verloren.

Während in Deutschland schon über eine mögliche zweite Welle gesprochen und in dem EU-Staat Slovenien die Pandemie gar für beendet erklärt wird, hat der ursprüngliche Ausbruch seinen Höhepunkt noch überhaupt nicht erreicht. Noch immer steigt laut der Plattform „worldometer.info“ die Zahl der aktiven Fälle weltweit an. 3.473.090 waren es am Montagabend - 30.000 mehr als am Vortag.