Models auf dem Laufsteg einer Saint Laurent  Show während der Pariser Fashion Week im Februar 2020 Foto: Imago

„Nichts wird je wieder so sein, wie es war“, lautet ein Mantra in der Corona-Krise. Für die Modewelt könnte die Prophezeiung tatsächlich wahr werden. Während die Boutiquen und Kaufhäuser geschlossen waren und die Menschen in Jogginghosen im Homeoffice arbeiteten, machten sich die Designer Gedanken über die Zukunft ihrer Branche. Und viele kamen zu dem Schluss: Der rasende Wahnsinn des Modezirkus muss ein Ende haben - die vielen Fashion-Weeks, die Überproduktion, die dann schon vor Beginn der Saison verramscht wird.mscht wird.

Den Anfang machte Anthony Vaccarello, Designer der Nobelmarke Saint Laurent, im April mit seiner Ankündigung, dieses Jahr nicht an der Fashion Week in Paris teilzunehmen. Von nun an werde „die Marke ihrem eigenen Rhythmus folgen und das Tempo selbst bestimmen“, erklärte er.

Nicht nur die jungen Designer wollen das Hamsterrad der Modewelt abbremsen

Vergangene Woche schloss sich Alessandro Michele von Gucci der Revolte an. „Kleider sollten ein längeres Leben haben“, sagte er auf einer virtuellen Pressekonferenz in Mailand und kündigte an, dass seine Kollektionen von nun an nicht mehr an eine Saison gebunden sein würden. Statt bei fünf Modenschauen will er die Models nur noch zwei Mal pro Jahr über den Laufsteg schicken.

Dabei ist Michele kein kapitalismuskritischer Rebell, sondern ein unternehmerisch kluger Kopf, der mit seinem ironisch-kitschigen Stil Gucci zum Goldesel der Luxus-Firmengruppe Kering gemacht hat.

Nicht nur die jungen Designer wollen das Hamsterrad der Modewelt abbremsen. Es sei an der Zeit, „das Überflüssige wegzulassen“ und das mörderische Tempo zu zügeln, verkündet Altmeister Giorgio Armani, mit 85 immer noch im Geschäft. Die Krise „gibt uns die einzigartige Chance, eine menschlichere Dimension zu finden“, sagt er.

Der belgische Designer Dries Van Noten und seine französische Kollegin Marine Serre forderten in einem offenen Brief, das System der Luxusmode zu überdenken. Mehrere hundert Akteure der Branche - Marken, Modeschöpfer und Kaufhäuser - schlossen sich dem Aufruf an. Sie wollen einen „grundlegenden Wandel, der die Unternehmen umwelt- und sozialverträglicher macht.“ Erste Gespräche darüber mit den Organisatoren der vier großen Modewochen in Paris, Mailand, New York und London gibt es bereits.

Der Modedesigner Giorgio Armani lacht nach der Präsentation seiner Frühjahr/Sommer 2019 Haute Couture Modekollektion.  Foto: Francois Mori/AP/dpa

Van Noten will auch dem Rabattwahnsinn wie zum Beispiel dem Black Friday ein Ende bereiten. Die Kleidung solle der Jahreszeit entsprechend verkauft werden und länger in den Läden bleiben, fordert er. „Es ist doch nicht normal, Winterklamotten im Mai zu kaufen“, sagt er. „Und auch nicht, dass die Kleidungsstücke nach einem Monat schon wieder um 50 Prozent reduziert werden.“

Die gegenwärtige Einzelhandelskultur schaffe einen „Teufelskreis“ aus Verschwendung und Überproduktion, sagte der 62-jährige belgische Modedesigner der französischen Tageszeitung „Le Monde“. „Nach dem Sale brauchen die Geschäfte Neues, und wir werden gedrängt, immer mehr Kollektionen herauszubringen.“

Die Corona-Krise sei eine „Chance, Verantwortung zu übernehmen“, sagt auch Designerin Serre, die für ihre Mode auch bisher schon gebrauchte Materialien wiederverwendet. Unabhängige Designer hätten es leichter. „Der Vorteil ist, dass nicht das Geld die Motivation ist. Was zählt, ist die Qualität der Arbeit.“