Ischgl gilt als Drehscheibe für das Coronavirus in Europa. Foto: dpa/Jakob Gruber

Es ist allseits bekannt: Obwohl die Behörden in Ischgl Anfang März von ersten Corona-Fällen in dem beliebten Ski-Gebiet wussten, dauerte es noch mehr als eine Woche, bis es dichtgemacht wurde. Der Ski-Ort wurde zum europäischen Drehkreuz für das Coronavirus. Jetzt verklagen Ski-Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Republik Österreich auf Schadenersatz.

Der österreichische Verbraucherschutzverein (VSV) teilte am Mittwoch auf einer Pressekonferenz mit, dass er beim Landgericht Wien vier Zivilklagen gegen die Republik Österreich eingebracht hatte. Es seien Musterprozesse im Namen von Einzelpersonen. Eine Sammelklage sei bislang nicht vorgebracht worden. Insgesamt hatten sich laut VSV mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten bei dem Verein gemeldet. Viele von ihnen sind Deutsche. Der Verein hatte Urlauber, die ab dem 5. März 2020 in Ischgl waren, aufgerufen, sich zu melden.

Verbraucherschutz-Anwalt Alexander Klauser sagte auf der Pressekonferenz, dass sich der Verein zunächst auf vier Musterfälle beschränkt habe, um rasche Erfolge zu erzielen. Ein Betroffener sei an Covid-19 verstorben, bei zwei deutschen Fällen sei die Erkrankung so schwer verlaufen, dass die Patienten teilweise heute noch in Behandlung sind und vielleicht Dauerfolgen erleiden werden. Ein vierter Betroffener sei gesund, müsse jedoch mit Spätfolgen rechnen.

Ein Mitarbeiter des „Kitzloch“ war der erste offizielle Corona-Fall in Ischgl. Foto: Imago-Images/Roland Mühlanger

Den Behörden wird vorgeworfen, in Ischgl zu langsam reagiert zu haben, um den Tourismus in dem Skiort so lange wie möglich offen zu halten – auch auf Kosten der Gesundheit der Touristen. Der erste bestätigte Corona-Fall in Ischgl war am 7. März ein deutscher Barkeeper in der Après-Skibar „Kitzloch“, der offenbar schon einige Tage mit Symptomen arbeitete. Schon einige Tage zuvor war aber, wie inzwischen bekannt wurde, bereits eine Warnung aus Island in Tirol eingetrudelt: Mehrere Ischgl-Heimkehrer waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Am 6. März riet Island von Reisen nach Ischgl ab. Geschlossen wurde das Skigebiet allerdings erst am 13. März.

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Die Tiroler Behörden hingegen verteidigen ihr Vorgehen und weisen alle Vorwürfe zurück. Man habe angesichts der damaligen Erkenntnisse über das Virus angemessen gehandelt.