Der Sammler Thomas Wilde hat sie alle, vom „Mosaik“-Comicheft mit den Digedags aus dem Jahr 1960 bis zum „Mosaik“-Heft mit den Abrafaxen von 1976.
Der Sammler Thomas Wilde hat sie alle, vom „Mosaik“-Comicheft mit den Digedags aus dem Jahr 1960 bis zum „Mosaik“-Heft mit den Abrafaxen von 1976. Waltraud Grubitzsch/dpa

Thomas Wilde hat fast jeden Quadratzentimeter seiner Wohnung in Leipzig für den Kult-Comic „Mosaik“ reserviert. Vitrinen, Regale, Wände - alles ist voll mit den drei kleinen Helden, die erst als Digedags und später als Abrafaxe Generationen von DDR-Kindern in ihren Bann zogen. Ab und zu gucken auch Udo Lindenberg oder Kiss von den Wänden, denn Herr Wilde sammelt auch von ihnen alles und noch viel mehr. Aber das Hauptaugenmerk des 63-Jährigen liegt auf dem „Mosaik“. „Das ist mein Leben, wenn man so will.“ Natürlich leitet er auch den Leipziger Fanklub.

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Angefangen hat seine Leidenschaft wie bei vielen anderen als Kind. „Ich hatte zu DDR-Zeiten zweimal großes Glück“, erzählt er. Seine Oma habe in seinem Heimatort in Sachsen-Anhalt den Besitzer des Zeitungsladens gekannt, seine Mutter habe später im Zeitungskiosk in Wolfen gearbeitet. So habe er das monatlich erscheinende Heft immer bekommen. Sogar ein Abo habe er gehabt, erzählt Wilde. „Das war ganz schwer zu kriegen.“

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8000 „Mosaik“-Objekte – inkl. Hertha-Maskottchen

Doch vom begeisterten Leser zu einem der wohl eifrigsten Sammler mit geschätzten 8000 „Mosaik“-Objekten ist es ein Weg, und den ging Wilde erst nach dem Mauerfall. Früher habe es außer den begehrten Heften gar nicht so viel zum Sammeln gegeben. Das änderte sich in den 1990er-Jahren. Wilde, damals Deutsch- und Englischlehrer am Sportgymnasium Jena, kam zum „Mosaik“-Fanklub in Apolda – und war platt. „Ich habe gedacht: ‚Oh mein Gott, was die alles wissen! Das schaffst Du doch nie, Dich dort einzuleben.‘“ Er irrte sich.

Thomas Wilde zeigt in seiner Wohnung die drei Kobolde Digedag, Dig und Dag (v.l.n.rn), die von 1955 bis 1975 die Haupthelden der in der DDR erschienenen Comiczeitschrift „Mosaik“ waren.
Thomas Wilde zeigt in seiner Wohnung die drei Kobolde Digedag, Dig und Dag (v.l.n.rn), die von 1955 bis 1975 die Haupthelden der in der DDR erschienenen Comiczeitschrift „Mosaik“ waren. Waltraud Grubitzsch/dpa

In seiner Wohnung findet sich wahrscheinlich wirklich alles, was es zum „Mosaik“ gibt. Wilde zählt auf: „Die Hefte – ist klar, Bücher, Figuren, Tassen, Teller, Videos, die ich überhaupt nicht mehr abspielen kann, Spielzeug, Zuckertüten, Puzzles, Zeitungsartikel ...“ Selbst wenn in einem Buch der Comic nur in zwei Zeilen am Rande erwähnt werde, müsse er es haben. In einem Regal klemmt außerdem „Herthinho“, das Plüschmaskottchen von Hertha BSC. „Den hat Andreas Pasda, ein ‚Mosaik‘-Zeichner, entworfen“, sagt Wilde.

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Der „Mosaik“-Comic hat die DDR überlebt und erscheint bis heute. Das Heft habe rund 40.000 Abonnenten und verkaufe sich zusätzlich 25.000 bis 30.000 Mal am Kiosk, sagt Robert Löffler, der Sprecher des Verlags in Berlin. „Es wird in Familien gelesen, oft in dritter, vierter Generation.“ So einfach wie früher habe es das „Mosaik“ natürlich nicht mehr. „Es war in der DDR quasi eine Monopolstellung. Heute muss man sich gegen alles Mögliche behaupten“, sagt Löffler.

Thomas Wilde sitzt in seiner Wohnung vor vollen Regalen mit Zeitschriften und Objekten aus der Comiczeitschrift „Mosaik“ hinter einem Aufsteller mit der Figur Brabax von den Abrafaxen und Zuckertüten mit Digedag- und Abrafaxmotiven.
Thomas Wilde sitzt in seiner Wohnung vor vollen Regalen mit Zeitschriften und Objekten aus der Comiczeitschrift „Mosaik“ hinter einem Aufsteller mit der Figur Brabax von den Abrafaxen und Zuckertüten mit Digedag- und Abrafaxmotiven. Waltraud Grubitzsch/dpa

Zu den treuen Fans, wie Thomas Wilde einer ist, pflegen die „Mosaik“-Macher laut Löffler gute Kontakte. „Das ist für uns super Werbung, wenn es Leute gibt, die ihr ganzes Leben mit ‚Mosaik‘ verbringen.“ Der Verlag unterstützte die Fanzines, die von Fanklubs herausgegeben werden, etwa mit Infos und Bildern. Für Liebhaber werde auch mal zum Abholen ein neues Werbeplakat im Verlag zurückgelegt. „Das ist ja besser, als wenn sie es im Kiosk abhandeln. Denn dort soll das Plakat ja hängen“, sagt Löffler.

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Riesen-Fangemeinde zu DDR-Comics und „Mosaik“

Dass das „Mosaik“ eine große Fangemeinde hat, weiß man auch im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Das Museum bewahrt das Privatarchiv von Hannes Hegen (1925–2014) auf, Erfinder der ersten „Mosaik“-Helden Digedags. „Es gibt eine sehr aktive Fanszene mit einem großen Wissen rund um das Thema DDR-Comic/Mosaik, die mit viel Herzblut dabei ist“, teilt das Haus mit. Dass eine „Mosaik“-Ausstellung nach Corona nicht wieder öffnete, verärgerte einige Fans. Aber ein Museum müsse sich weiterentwickeln. Zum 100. Geburtstag von Hannes Hegen (bürgerlich: Johannes Hegenbarth) 2025 werde eine Galerie-Ausstellung zum „Mosaik“ konzipiert.

Im Regal stehen Tassen mit Motiven der Digedags und der Abrafaxe aus der Comiczeitschrift „Mosaik“.
Im Regal stehen Tassen mit Motiven der Digedags und der Abrafaxe aus der Comiczeitschrift „Mosaik“. Waltraud Grubitzsch/dpa

Sammler Wilde verfolgt alle Neuigkeiten rund um seinen geliebten Comic. Er ist auch ständig im Austausch mit anderen Fans. „Als ich eingestiegen bin in Apolda, haben sie zu mir gesagt: ‚Es vergeht nicht ein Tag, an dem man nicht mit „Mosaik“ zu hat.‘ Damals habe ich gedacht: ‚Blödsinn!‘“, sagt Wilde und tippt sich an die Stirn. Dann senkt er die Stimme, blickt von unten nach oben und sagt: „Es stimmt.“

Wilde hat natürlich auch ein Lieblings-Objekt in seiner riesigen Sammlung: eine Plakette aus Biskuitporzellan mit den Abrafaxen als Motiv. „Davon gibt es nur zwei Stück“, sagt er. Und gibt es denn noch irgendwas, ein seltenes Stück, das dem Sammler fehlt? Thomas Wilde schaut kurz auf seine Regale und sagt dann: „Nein, nichts so richtig.“