Das Nürnberger Christkind, Benigna Munsi, steht in ihrem Gewand im Funkhaus Nürnberg vor Beginn einer Radio-Sondersendung.  Foto: Daniel Karmann/dpa

Abgesagte Weihnachtsmärkte, sogar Glühweinverkaufsverbote und eben Maskenpflicht in vielen Innenstädten: Das Corona-Jahr bringt Millionen einen ganz anderen Advent. Dennoch gibt es Festliches und Kreatives. Eine Auswahl:

Christkind am Telefon

Das Nürnberger Christkind grüßt täglich aus dem Internet in einem digitalen Adventskalender, zweimal die Woche ist es telefonisch erreichbar - zum ersten Mal in seiner mehr als 70-jährigen Geschichte und auch nur einmalig dieses Jahr, wie ein Sprecher der Stadt betont. Das Schöne sei, dass auch Leute aus anderen Städten anriefen, die vielleicht nicht zum Nürnberger Christkindlesmarkt gekommen wären, sagt Benigna Munsi (18), die seit vergangenem Jahr das Christkind spielt. „Die meisten rufen an, damit ihnen jemand zuhört.“

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Normalerweise wäre Munsi in der Adventszeit in ihrem engelsgleichen Kostüm mit goldenen Flügeln und blonder Lockenperücke mehrmals die Woche auf dem weltberühmten Markt unterwegs gewesen, wäre Karussell mit Kindern gefahren und hätte ein offenes Ohr für Wünsche, Sorgen und Nöte gehabt. Auch die sonst mehr als 100 Auftritte in Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder Krankenhäusern sind abgesagt. Das habe auch etwas Gutes, erzähle sie den Kindern als Trost, sagt Munsi. Dadurch habe das Christkind mehr Zeit für die Geschenke.

Homeoffice beim Weihnachtsmann

Mit Smartphone und Tablet am Schreibtisch: Der Weihnachtsmann im  Homeoffice. Foto: Merle Roza/dpa

Eigentlich hatten die Weihnachtsmänner sich das Fest abgeschminkt: Keine Besuche zu Heiligabend wegen Corona. Doch in Göttingen kam man auf eine - eigentlich ganz nahe liegende - Idee. „Ich bekam von einem unserer Weihnachtsmänner einen Anruf. Was wir denn davon hielten, die Vermittlung in diesem Jahr digital anzubieten, zum Beispiel mit einem Videoanruf“, sagt Monika Skotnik, die seit 1988 das besondere Saisongeschäft der Jobvermittlung bei der Agentur für Arbeit betreut. Homeoffice in diesem Jahr also auch für den Weihnachtsmann. Der soll sich nach Angaben der Jobvermittlung zu Hause eine behagliche Ecke einrichten, damit das Ambiente stimmt. Auch auf Buchungsplattformen wie Erento bieten Weihnachtsmänner digitale Hausbesuche an: Ab 39 Euro pro 10 Minuten kommt Santa Claus auf den Bildschirm und liest zum Beispiel Kurzgeschichten vor.

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Buden hier und das

Der 2016 wegen des Terroranschlags weltbekannt gewordene Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin an der Gedächtniskirche und nahe dem Bahnhof Zoo fällt ebenso wie die anderen großen Märkte aus. Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf setzt aber auf eine kleine Alternative. Etwa 25 Buden sind über mehrere Standorte wie den Kurfürstendamm und den Platz an der Gedächtniskirche verteilt. Mit der Aktion sollen auch die Schaustellerfamilien der Region unterstützt werden, damit diese vor Weihnachten wenigstens ein bisschen Geschäft machen können. Allerdings gibt es alles nur zum Mitnehmen. Die Besucher dürfen nicht in Gruppen Glühwein trinken.

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Kleine Weihnachtsinseln

Kleine Weihnachtsinseln statt eines großflächigen Weihnachtsmarkts - das ist das Konzept von Lüneburg, um die Menschen in die Innenstadt zu locken. Oberstes Ziel: Der Handel soll im Jahresendspurt unterstützt werden. Das Besondere an dem Budenzauber sind vier Verweilzonen, in denen im Sitzen konsumiert werden muss. Die Maskenpflicht in der Altstadt wird ausgeweitet, der Verzehr im Stehen ist verboten. Bis zum 23. Dezember sind die Stände offiziell bis 20.00 Uhr geöffnet. Menschenaufläufe soll es auf keinen Fall geben, Sicherheitspersonal und das Ordnungsamt werden auf die Einhaltung der Regeln in der Corona-Pandemie achten. Einmalig ist Einweggeschirr aus Hygienegründen zugelassen, Glühweinbecher werden auch verkauft.

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Markt im Netz

Weil das Original ausfällt, startet die Stadt München einen Christkindlmarkt im Internet. Mit einer eigenen Seite und Aktionen wie einem virtuellen „Singen unterm Christbaum“ will die Stadt einen Ersatz schaffen. Auch wenn dieser nicht vollwertig sein könne, sei er doch „eine schöne Unterstützung für unsere Münchner Traditionsveranstaltung und bieten ein vertrautes Weihnachtsgefühl für daheim“, heißt es vom Referat für Arbeit und Wirtschaft. Das Sortiment reicht von Christbaumschmuck und Weihnachtsdekoration über gebrannte Mandeln bis zu Krippen und Zubehör. Auch Glühwein und Punsch sind im Angebot. Erhitzen muss man das dann allerdings selbst.