An einem Café hängt ein Schild mit der Aufschrift „geschlossen“. Auch der Personalmangel macht vielen Gastronomiebetrieben zu schaffen.
An einem Café hängt ein Schild mit der Aufschrift „geschlossen“. Auch der Personalmangel macht vielen Gastronomiebetrieben zu schaffen. dpa/Kira Hoffmann

Viele Menschen gehen gern mal in ein schönes Restaurant, um sich einen entspannten Abend zu gönnen – doch den Betrieben haben die vergangenen Jahre schwer zugesetzt. Zuerst sorgte die unfreiwillige Corona-Pause dafür, dass viele Lokale schließen mussten. Und nun verhindert die Inflation, dass die Restaurants von Gästen gestürmt werden. Alles nachvollziehbar – doch auch viele Besucher sind an der schwierigen Situation der Betriebe nicht unschuldig. Eine Restaurant-Mitarbeiterin rechnet jetzt ab … und dokumentiert auf Twitter den ganz normalen Abend in ihrem Lokal.

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„Warum ich komplett verstehe, warum niemand mehr in meiner Branche arbeiten will und so viele Restaurants pleitegehen ... es gibt einfach keine Verbindlichkeit mehr!“, heißt es in dem Beitrag auf Twitter. Als Beispiel dafür dokumentiert die Mitarbeiterin eines Sterne-Restaurants einen ganz normalen Abend. „Wir waren voll ausgebucht. Alle Tische belegt. Der Laden vorbereitet, die Küche plant, bereitet vor und kauft entsprechend Ware ein.“

Der Irrsinn beginnt: Plötzlich wollen Tische absagen oder verschieben

Doch dann beginnt der Irrsinn. „Zehn Minuten bevor die ersten Tische ankommen sollen, erreichen mich Whatsapps und E-Mails – alle aus der Reservierung.“ Ein Dreier-Tisch müsse wegen eines positiven Corona-Tests absagen. Ein Zweier-Tisch wolle absagen, weil den Gästen bewusst geworden sei, dass das Restaurant nicht komplett vegan ist – schließlich werde Fischsauce genutzt. „Etwas, was dick und fett auf der Homepage steht und sogar bei der Reservierung noch mal direkt kommuniziert wird.“

Ein weiterer Vierer-Tisch sei daraufhin nur zu dritt erschienen, wenige Minuten später habe ein Tisch die Reservierung einfach canceln wollen. „Ein Tisch ruft an, sie verspäten sich leicht. Als ich frage, wie viel ,leicht‘ ist,  kommt als Antwort ,ca. 40 Minuten‘ – sei doch kein Problem, oder?“ Dann der nächste Schock: Ein Dreier-Tisch kommt mit riesigem Kinderwagen und schreiendem Kleinkind ins Sterne-Restaurant.

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„Man ist unfassbar ungläubig und entrüstet darüber, dass wir einen kleinen gemütlichen 3er-Tisch vorbereitet haben, wo der Riesen-Wagen ja gar nicht hinpasst, und dass wir als Sterne-Restaurant keinen Hochstuhl haben. Normalerweise nehmen Menschen mit Kindern vorher Kontakt zu uns auf – weil das, was wir machen, für Kinder ungeeignet ist. Natürlich sind wir hochgradig unflexibel, weil wir keine Kindergerichte haben. Das Kind ist knapp über 1, und wir sind ein Thai-Restaurant.“

Immer mehr Gäste verspäten sich – oder kommen einfach gar nicht

Kurze Zeit später geht der Wahnsinn weiter: Ein Dreier-Tisch kommt unangemeldet mit vier Personen, ein weiterer Vierer-Tisch will absagen. Die Gäste von zwei weiteren reservierten Tischen verspäten sich, ohne vorher kurz anzurufen. Und dann: „Der 4er-Tisch, der canceln wollte, steht in der Tür – man will mit mir VERHANDELN!!!! Man ist nicht bereit, die Gebühr zu zahlen – ich biete an, stattdessen doch einfach zum Essen zu bleiben. Ja – mutiger Ansatz –, ich weiß. Ich muss mich inzwischen hart zusammenreißen, nicht nur noch sarkastisch zu antworten.“

Ein weiterer Zweier-Tisch will plötzlich 45 Minuten früher kommen, einer will später kommen. „Zu einer Uhrzeit, die nach unserem Küchenschluss liegt. Ja, Mann – wir sind so unflexibel. Der 3er-Tisch mit dem Schreikind beschwert sich darüber, dass wir immer noch keinen Hochstuhl organisiert haben.“ Doch damit nicht genug: Die Eismaschine in der Küche geht kaputt – und ein Dreier-Tisch beschwert sich, dass es deshalb kein zweites Dessert gibt. „Man habe ja für das gesamte Menü bezahlt – was man denn nun als Entschuldigung so umsonst bekommen könne. Überlege ernsthaft, eine Kopfnuss anzubieten. Menü umfasst offiziell 7 Gänge – wir servierten insgesamt 9 und er ... lassen wir das.“

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Das Fazit des Abends fällt ernüchternd aus. „Von 17 geplanten Tischen sind genau 4 (!!!!) so erschienen, wie geplant, 3 wurden gecancelt – alle anderen kamen zu spät und in anderer Besetzung. Wie zur Hölle soll man so was bitte auffangen? Ja – ich liebe meinen Job –, aber Abende wie dieser sind der Grund dafür, warum irgendwann nur noch Vapianos und Franchise-Ketten an jeder Ecke stehen werden.“