Vor zehn Jahren wurde die damals 23-jährige Jyoti Singh in einem Bus brutal vergewaltigt – von gleich sechs Männern.
Vor zehn Jahren wurde die damals 23-jährige Jyoti Singh in einem Bus brutal vergewaltigt – von gleich sechs Männern. IMAGO/Zoonar

86-mal am Tag. 2640-mal im Monat. 31.677-mal im Jahr werden in Indien Frauen teils brutal vergewaltig. Und die Gesellschaft schaut einfach zu. Ein Fall aber sorgte weltweit für Aufsehen. Am 16. Dezember 2012 vergewaltigten sechs Männer eine Studentin in einem Bus in Neu-Delhi. Und der fuhr einfach weiter – eine Stunde lang. Zwei Wochen später war die junge Frau tot. Was ist aus den Tätern geworden?

Jyoti Singh war an jenem Sonntagabend mit ihrem Freund im Kino. Es sollte ein verhängnisvolles Date werden, das sie am Ende mit dem Leben bezahlen musste. Auf dem Rückweg in einem Bus wurde zunächst der junge Mann von sechs Angreifern brutal niedergeschlagen. Anschließend zerrten die Täter die 23-Jährige in den hinteren Teil des Fahrzeugs. Die Männer misshandelten Singh mit einer Metallstange und vergewaltigten sie. Der Bus? Fuhr einfach weiter. Nach etwa einer Stunde warfen sie ihre Opfer auf die Straße.

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Opfer starb zwei Wochen nach Gruppen-Vergewaltigung

Schwer verletzt kam die junge Frau in eine Klinik. Zwei Tage später fand die Polizei den Fahrer des Busses und nahm ihn und drei weitere Männer am 18. Dezember fest. Auch die zwei weiteren Täter wurden wenige Tage später gefasst. Jyoti Singh konnte ihre Vergewaltiger noch identifizieren. Doch den Kampf um ihr Leben verlor sie nach zwei Wochen.

Und die Täter? In der patriarchalischen Gesellschaft Indiens werden Mädchen oft als finanzielle Belastung angesehen, die meisten Ehen werden arrangiert. Vergewaltigungen sind dort der Statistik nach an der Tagesordnung – die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen als die ohnehin schon grausigen Zahlen.

Der Fall Jyoti Singh jedoch schockierte das Land, Zehntausende demonstrierten in Neu-Delhi und anderen Städten.

Demonstranten nehmen zusammen mit der Mutter Abschied von der bei einer Gruppen-Vergewaltigung zu Tode gequälten Jyoti Singh.
Demonstranten nehmen zusammen mit der Mutter Abschied von der bei einer Gruppen-Vergewaltigung zu Tode gequälten Jyoti Singh. IMAGO/Hindustan Times

Vier Männer nach Gruppen-Vergewaltigung gehängt

Einen Monat nach der Tat wurde der Hauptangeklagte Ram Singh tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Die Behörden sprachen von Suizid, seine Familie von Mord. Im August 2013 wurde der minderjährige Täter wegen Vergewaltigung und Mordes mit drei Jahren Haft bestraft. Die vier Erwachsenen wurden ebenfalls für schuldig befunden und im September zum Tod verurteilt. Nach erfolglosen Berufungsverfahren wurden sie 2020 gehängt.

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Unter dem Druck der Proteste führte die Regierung härtere Strafen für Vergewaltiger sowie neue Sexualdelikte ein. Beispielsweise ist nun auch Stalking strafbar, und Beamten, die Vergewaltigungsanzeigen nicht aufnehmen, droht Gefängnis. Um Straßen für Frauen sicherer zu machen, wurden zusätzliche Überwachungskameras und Laternen installiert.

Vergewaltigungsopfer erhalten in speziellen Zentren rechtliche und medizinische Hilfe. Doch die indische Justiz ist überlastet, Zehntausende Vergewaltigungsfälle bleiben ungeahndet. Immer wieder wird von grausamen Verbrechen gegen Frauen berichtet.