Die Sicherheitsmitarbeiter störten sich am tiefen Ausschnitt der Frau. Foto: imago images/staras

Kunst und Kultur sind für jeden da – aber offensichtlich nicht für Frauen mit großen Brüsten. Zumindest könnte man das angesichts eines Vorfalls meinen, der sich gerade in Paris ereignet hat. Die 22-jährige Jeanne H. wollte hier das berühmte Musée d’Orsay besuchen – und wurde am Eingang abgewiesen, weil ihr Dekolleté den Sicherheits-Mitarbeitern zu tief war.

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Auf Twitter machte die junge Frau den Vorfall öffentlich, wandte sich in einem offenen Brief an das Museum. „Ich wollte am 8. September ins Musée d’Orsay gehen – ohne zu ahnen, dass mein Dekolleté zum Gegenstand eines Streits werden würde“, schreibt sie dort. Sie sei am Eingang des Museums von einer Mitarbeiterin abgewiesen worden, als sie gerade ihr Ticket zücken wollte.

Sicherheits-Mitarbeiter störten sich an ihrem tiefen Ausschnitt

Warum, das verstand H. zuerst nicht. „Ich fragte, was los ist, doch ich bekam keine Antwort. Stattdessen starrten sie auf meine Brüste“, heißt es weiter. Sie habe sich in dem Moment sehr geschämt. Der Sicherheitsdienst habe den Manager gerufen, dann sei sie gebeten worden, sich eine Jacke anzuziehen, den Reißverschluss zu schließen.

Verständnislos habe sie mit dem Manager diskutiert – die einzige Antwort: So seien die Regeln. Er habe gesagt, sie solle sich die Jacke überziehen, könne sie aber im Museum wieder ablegen. „Als ich die Jacke überzog, hörte ich einen Seufzer der Erleichterung.“ Im Museum sei sie dann auf Gemälde und Skulpturen von nackten Frauen gestoßen, in den Fluren auf Besucherinnen, die teilweise rückenfrei und in knappen Tops unterwegs waren. „Ich frage mich, ob die Sicherheitsmitarbeiter, die mir den Zugang verweigern wollten, wissen, dass sie mich in dem Moment sexualisiert haben“, schreibt sie. Sie zweifle daran, dass es richtig sei, Menschen aufgrund eines so willkürlichen Urteils den Zugang zu Kultur zu verwehren.

Eine Femen-Gruppe protestierte nach dem Vorfall im Museum. Foto: imago images/Le Pictorium

Der Tweet löste eine Protest-Welle aus. So versammelten sich Tage später Aktivistinnen der Gruppe Femen im Museum, zogen in einer der Skulpturen-Galerien ihre Oberteile aus und bemalten sich gegenseitig mit Slogans wie „Das ist nicht obszön“. „Wir unterstützen Jeanne und alle Frauen, die Opfer sexistischer Diskriminierung sind“, schrieb die Gruppe. „Stoppen Sie die Sexualisierung des Körpers von Frauen!“ Das Museum selbst hat sich inzwischen entschuldigt.