Christian und Alejandro Trevino zusammen mit ihrem Freund Juan Melendez bei ihrer Verhaftung. Polizei

Texas ist dafür bekannt, kurzen Prozess mit Straftätern zu machen – worüber die Bürger des amerikanischen Südstaates nicht mit der Wimper zucken. Um so erstaunlicher, dass über 200 000 Bewohner des konservativen Hidalgo County sich jetzt auf die Seite von zwei Killer-Brüdern schlagen. Die Teenager sind wegen eines brutalen Mordes an ihren Stiefvater angeklagt – weil dieser ihre kleine Schwester vergewaltigt hatte.

Gabriel Quintanilla war mit der Mutter von Christian und Alejandro Trevino verheiratet gewesen. Laut der Polizei der Kleinstadt Pharr erfuhren die Brüder am 20. Januar von ihrer neunjährigen Schwester, dass der Stiefvater sie wiederholt vergewaltigt hatte.  Zusammen mit ihrem Freund Juan Melendez suchten die Brüder den mutmaßlichen Kinderschänder in seinem Haus auf und schlugen ihn zusammen.  Später am Tag kamen sie noch einmal zurück.

Den Brüdern droht lebenslange Haft

Der 42-Jährige rannte davon, wurde aber von den Brüdern in ihrem Truck außerhalb von Pharr eingeholt und gestellt. Laut Haftbefehl schlugen Christian Trevino und Juan Melendez mit Schlagringen auf ihr Opfer ein, bis dieses kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dann warfen sie den Leblosen auf die Ladefläche ihres Pickup-Trucks und ließen den leblosen Körper später  in einem Waldstück zurück. Die Leiche von Quintanilla wurde am nächsten Tag entdeckt.

Mit einer Online-Kampagne wird Geld für die Teenager gesammelt. Change.org

Die Trevinos und Melendez wurden festgenommen. Alejandro Trevino (18) wurde wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt, sein Bruder Christian (17) und Melendez (18) wegen vorsätzlichen Mordes. Alle drei nach dem Erwachsenenstrafrecht, was bei einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe ohne die Chance auf Bewährung zur Folge hätte.

Die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, weil sie die festgesetzte Kaution von 1 Million Dollar nicht zahlen können. Doch ihre Familie, Nachbarn und Mitbewohner haben eine offizielle Online-Kampagne gestartet, die vom texanischen Gouverneur Greg Abbott verlangt, die drei Teenager auf freien Fuß zu setzen: „Diese drei Jungen haben nur ihre kleine Schwester beschützt und sind keine Gefahr für die Öffentlichkeit“.

Pharrs Polizeichef Andy Harvey geriet inzwischen mächtig von der Bevölkerung unter Druck, weil sich herausstellte, dass seit 2019 ein Haftbefehl gegen Quintanilla vorlag. Der soll nämlich zwischen 2014 und 2016 bereits ein anderes kleine Mädchen sexuell missbraucht habe und war vor seiner Verhaftung geflohen. Harveys Argument „Er hat sich halt vor uns versteckt“ löste bei vielen Kopfschütteln aus. Carlos Espina, ein Freund der Tevinos, schimpft im örtlichen TV-Sender KWTX: „Wenn die Polizei ihre Arbeit gemacht hätte, wären Christian, Alejandro und Juan frei und ihre kleine Schwester unversehrt geblieben!“