Ein Freiwilliger lässt sich im Institut für Infektiologie Emilio Ribas in Sao Paolo mit einem Corona-Impfstoff des chinesischen Pharmakonzerns Sinovac impfen. Es handelt sich um die dritte Testphase des Wirkstoffes.  Foto: dpa/Andre Lucas

Brasilien ist eines der am härtesten vom Coronavirus betroffenen Länder. Es hat die Marke von 100.000 Toten im Zusammenhang mit Covid-19 durchbrochen und zählt mehr als 3 Millionen Menschen, die sich nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert haben. Trotz alledem wird dieser Brennpunkt als Impf-Hotspot genutzt:  Brasilien ist das einzige Land, in dem derzeit zwei große Tests von Corona-Impfstoffen laufen. Tausende Freiwillige lassen sich impfen. 

Einer der Impfstoffe wurde an der Universität Oxford entwickelt. An einer Phase-III-Studie dieses Impstoffs nimmt das Hospital Sao Paulo gemeinsam mit der Universidade Federal de Sao Paulo teil. Zahnchirurigin Denise Abranches (47), die die Zahnmedizin-Abteilung des Hospital Sao Paulo koordiniert, war die erste Freiwillige, die die Impfung bekommen hat – ob tatsächlich den Wirkstoff oder ein wirkungsloses Mittel für Kontrollwerte zum Vergleichen, weiß sie nicht. „Es ist ein Privileg [...] nicht nur für uns Brasilianer [...], sondern auch für die Welt, die auf eine Impfung wartet“, sagt Abranches.

Den Impfstoff testet das Pharmaunternehmen AstraZeneca in Brasilien seit Juni. Am 20. Juli hat zudem der China-Pharmakonzern Sinovac die entscheidende Phase-III-Studie für seinen Impfstoff gestartet, die auf die Wirkstoff-Zulassung abzielt.

Zuletzt erteilte die brasilianische Gesundheits-Überwachungsbehörde die Test-Genehmigung einer Substanz des Mainzer Biopharma-Unternehmens Biontech und des US-Konzerns Pfizer. Auch diese Studie hat bereits begonnen. Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac plant im Herbst einen Impfstoff-Kandidaten.

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Exzellente Forschungseinrichtungen in Brasilien

Dass Brasilien über exzellente Forschungseinrichtungen wie das Instituto Butantan und die Fundaçao Oswaldo Cruz  verfügt, hat das Land schon früher gezeigt. Es war bei Gesundheitskrisen durch HIV oder Zika ein Vorreiter unter den Schwellenländern.

Das steht im krassen Gegensatz zum umstrittenen Krisenmanagement von Präsident Jair Bolsonaro. Er verharmloste das Coronavirus als „kleine Grippe“, lehnte Einschränkungen und Schutzmaßnahmen ab und pries das Malariamittel Hydroxychloroquin zur Covid-19-Behandlung an. Seine Regierung setzt auf Verschwörungstheorien und Fake News statt auf wissenschaftliche Fakten.

Unterdessen bereitet sich Brasilien darauf vor, einen Impfstoff zu produzieren, und traf Abkommen, um im Falle erwiesener Wirksamkeit Millionen von Impfdosen zu bekommen. Die Fundaçao Oswaldo Cruz etwa wartet darauf, dass der Impfstoff von AstraZeneca zugelassen wird, um mit der Herstellung zu beginnen.