Die Bodypaintingkünstlerin Claudia Kraemer bemalt Model Jessica auf dem Stadtfestival in Bad Sülze.  dpa/Stefan Sauer

Die Bodypainting-Weltmeisterin Claudia Kraemer vergleicht ihre Kunst gerne mit Schnittblumen: Wunderschön, aber nichts für die Ewigkeit – mehrere Stunden Arbeit sind beim nächsten Duschen einfach weg. „Meine Kunst ist Luxus für den Moment.“ Es gehe immer um die Verwandlung, nicht Statisches – ein wesentlicher Unterschied zum Tätowieren.

Gerade bereitet sich die Rostockerin auf die Weltmeisterschaft vor, die am 18. Juli beginnt. Coronabedingt wird sie online ausgetragen. Kraemer fährt nun in die Niederlande zu einem Farbenhersteller, der unter anderem Räumlichkeiten für sie und andere Künstler bereitstellt.

Die 40-Jährige ist in der Disziplin Facepainting gemeldet. Innerhalb von drei Stunden wird sie Kopf, Hals und Dekolleté ihres Models Aimée Alana mit einer japanischen Sagenfigur, einer Mischung aus einer Frau und einem Fuchs, bemalen. Mehrere Skizzen sind schon gemalt, kommende Woche wird wieder an einem lebenden Model geprobt.

Der Fantasie der Bemalungen sind keine Grenzen gesetzt.

„Bei der WM gibt es acht Kategorien“, schildert der österreichische Veranstalter und Gründer der World-Bodypainting-Production, Alex Barendregt, die Bedingungen. Das während des Zeichnens entstehende Fotomaterial werde von einer Jury in Klagenfurt bewertet. Er rechnet bei der 25. Ausgabe der WM mit rund 500 Teilnehmern aus 50 Ländern. In Kraemers Kategorie Facepainting erwartet er weit über 100 Teilnehmer – „eine sehr starke Gruppe“.

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Bodypainting-Weltmeisterin fing mit Kinderschminken an

„Mir fiel das Kinderschminken als 20-Jährige durch einen glücklichen Zufall auf die Füße, das war Liebe auf dem ersten Blick“, berichtet Kraemer von ihren Anfängen. Über das Schminken der Kinder lernte sie das Handwerk und gründete eine eigene Firma. Dann habe sie es mit „jeder Menge Fleiß und Beharrlichkeit“ zu Weltmeister-Ehren im Bodypainting gebracht.

Kraemer wird meist für Veranstaltungen zum Showpainting gebucht. „Dann können die Besucher zuschauen, wie sich ein Mensch verwandelt.“ Bei Abendveranstaltungen arbeitet sie gerne mit leuchtenden UV-Farben. Manche werdende Mütter  lassen sich den Babybauch bemalen: mit Pandabären, Astronauten, Rehkitz oder einem Anker. Der Fantasie ihrer Kunden, aber auch ihrer eigenen, sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn Claudia Kraemer oft mehrere Stunden an ihren Kunstwerken sitzt, sei das nicht nur für sie anstrengend: Denn solange sie mit ihrer Kunst beschäftigt ist, müssen auch die Models stillhalten. Das ist auch der Grund, warum die Bodypainting-Weltmeisterin meist mit Profis zusammenarbeitet: „Die Arbeit verlangt den Models viel ab, sehr langes Stillstehen bei voller Konzentration. Da hilft ein eingespieltes Team.“