Richard Scott Smith bei seiner Verhaftung. Foto: Polizei

Richard Scott Smith gaukelte einsamen Frauen mittleren Alters ewige Liebe vor. Er hatte mehrere Aliase – drunter die Vornamen Rick, Scott und Mickey, zehn verschiedene Versicherungsnummern, 43 Telefonnummern und insgesamt 58 verschiedene Wohnsitz-Adressen in ganz Amerika. Seine fiese Masche: Er brachte jede der verliebten Frauen dazu, ihn zu heiraten. Um nach dem Ja-Wort die Konten der frischgebackenen Ehefrauen zu plündern und danach auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Gruppenbild der Rächerinnen (von links nach rechts): Ellen, Sandi, Tracy und Sabrina mit der Kautionsjägerin Carla Campbell. Foto: Showtime

Die Dokumentation „Love Fraud“ beginnt damit, dass seine Opfer erklären, was sie an Smith so anziehend fanden. Denn der war mit seinem schütteren Haar und nervösen Stottern alles andere als ein George-Clooney-Typ. Für Tracy, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern aus Kansas City, waren es „die freundlichen Augen und die volle Aufmerksamkeit, die er mir schenkte“. Sabrina (49) ging es sehr ähnlich: „Ich habe mich sofort in ihn verliebt, weil er mir klarmachte, ‚Ich bin seine Nummer eins‘. Er war charmant, scheinbar erfolgreich und hat sich sogar meinen Namen auf den Rücken tätowiert. Ich dachte, ich hätte den Jackpot gewonnen.“ Stattdessen stand sie am Ende mit einem leeren Konto da, von dem ihr Ehemann alles Geld abgehoben hatte – ehe er weg war. Jean Hansen investierte sogar 700.000 Dollar in eine Schein-Firma von Smith und musste später Konkurs anmelden.

Smith mit Jean Hansen kurz vor der Eheschließung 2015. Foto: Privat

2014 lernten sich mehrere Opfer über die Webseite „Scott Smith the Crook“ kennen, die Lisa Lenton ins Leben gerufen hatte. Diese war 2012 mit Smith verheiratet gewesen und wollte eigentlich nur andere Frauen vor den Machenschaften des Casanovas warnen. Doch dann beschlossen Jean und Sabrina mit ihren Leidensgenossinnen Ellen, Tracy und Karla, dass sie Rache nehmen und Smith aufspüren wollten. Im Laufe der nächsten zwei Jahre schlossen sich noch acht weitere Frauen an, die entweder einst verlobt oder gar mit Smith verheiratet gewesen waren.

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Mit einem Kamerateam im Schlepptau, einem professionellen Kautionsjäger und einem Team von Privatdetektiven als Gehilfen begab sich die Frauengruppe auf seine Fährte. Es dauerte fast drei Jahre, bis sie Smith fanden. Dieser wurde verhaftet und wegen Identitäts- und Scheckbetrug zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Seit April 2019 ist er wieder auf freien Fuß und lebt in Kansas mit einer schwer verliebten Frau.