Biontech-Chef Ugur Sahin. Foto: imago images/Florian Gärtner

Die im Süden von Großbritannien grassierende Corona-Mutation hat nicht nur für eine Quasi-Abriegelung von Großbritannien gesorgt, sondern viele Menschen auf der ganzen Welt verunsichert. Ist diese Variante außer Kontrolle? Ist sie wirklich so viel ansteckender? Und macht sie vielleicht viele Monate der Impfstoffforschung zunichte? Nun gibt es Entwarnung von mehreren Seiten. Vorsicht ist aber weiter geboten.

Die neue Mutation des Coronavirus, die bislang vor allem in Südostengland festgestellt wurde, bereitet allerdings weltweit große Sorgen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende erklärt, diese Form des Erregers sei „bis zu 70 Prozent ansteckender“ als die Ursprungsvariante. Zahlreiche Staaten beschränkten den Reiseverkehr mit Großbritannien. Deutschland kappte wie andere Staaten die Flugverbindungen mit dem Land.

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) trat allerdings der Einschätzung der britischen Regierung entgegen, durch die Neumutation sei die Corona-Lage „außer Kontrolle“. Selbst wenn sich das Virus sich nun „ein kleines bisschen effizienter“ ausbreite, könne es gestoppt werden, sagte der WHO-Direktor für medizinische Notfälle, Michael Ryan. Er rief aber dazu auf, die Maßnahmen zur Eindämmung der neuen Virus-Variante zu verstärken.

Auch der deutsche Ärztepräsident Klaus Reinhardt warnte vor Panik. Mutationen seien bei Viren „nicht ungewöhnlich“, sagte er der Passauer Neuen Presse und betonte: „Wir sollten ruhig und sachlich damit umgehen.“ Noch sei nach dem Urteil von Virologen nicht klar, ob die Ansteckungsgefahr durch die neue Virus-Variante tatsächlich deutlich höher sei. Dazu gebe es „noch keine klare wissenschaftliche Faktenlage“, so der Präsident der Bundesärztekammer.

Biontech-Chef Ugur Sahin sagte, es gebe „keine Erkenntnisse“ darüber, dass das von seiner Firma zusammen mit dem US-Partner Pfizer entwickelte Vakzin nicht gegen die neue Form des Virus wirken könnte. In den vergangenen Monaten habe es bereits mehr als 20 verschiedene Mutationen des Erregers gegeben. Alle seien von Biontech untersucht worden. Dabei sei jedes Mal festgestellt worden, dass die Wirkung des Impfstoffs durch die Mutationen „nicht beeinträchtigt“ worden sei.

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Allerdings lasse sich die Wirksamkeit des Impfstoffs auch gegen die neueste Virus-Mutation derzeit nicht „garantieren“, sagte Sahin auch. Seine Firma werde das Vakzin innerhalb der nächsten 14 Tage an der neuen Virus-Variante testen. Er sei „zuversichtlich“, dass der Impfstoff „auch hier funktionieren wird“. Auch die europäische Arzneimittelbehörde EMA erklärte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Impfstoff nicht auch gegen die neue Coronavirus-Variante wirkt.