Biontech-Chef Ugur Sahin bei einem TV-Interview. Foto: imago images/Florian Gaertner

In Großbritannien wird sein Impfstoff schon verabreicht, und auch in Deutschland rechnet Biontech-Chef Ugur Sahin in den nächsten Tagen oder maximal Wochen mit der Zulassung seines Corona-Impfstoffes. Im Interview mit dem TV-Sender RTL lässt er sich zu einer hoffnungsvollen Prognose hinreißen.

„Ich gehe davon aus, dass bis zum Sommer ausreichend Impfdosen vorliegen und eine ausreichende Anzahl der Bevölkerung, etwa 60 bis 70 Prozent, immunisiert ist“, sagte 55-jährige Mediziner dem Sender. Das ist mal eine optimistische Ansage! Und eine, die in diesen schweren Zeiten steigender Zahlen und immer härterer Maßnahmen guttut. Schließlich gehen Virologen ab einer Immunisierung der Bevölkerung von 70 Prozent davon aus, dass eine Infektionskrankheit weitgehend besiegt ist. Zumindest ein exponentieller Anstieg der Infektionszahlen dürfte dann nicht mehr möglich sein.

An diesem Erfolg wäre laut Sahin aber nicht nur seine Firma Biontech beteiligt, sondern auch alle anderen Firmen, die an aussichtsreichen Kandidaten arbeiten wie beispielsweise Moderna und Astrazeneca. „Es ist wichtig, dass auch weitere Unternehmen ihre Impfstoffe zulassen“, so Sahin.

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Seine Firma selbst kam jüngst in die Schlagzeilen, weil die für dieses Jahr anvisierten 100 Millionen Impfdosen nicht wie geplant ausgeliefert werden können. RTL verriet er, dass eine etwas länger als geplant dauernde klinische Studie sowie Lieferschwierigkeiten bei den Rohmaterialien die Gründe dafür waren. Für das Jahr 2021 werde Biontech zusammen mit seinem Partner Pfizer wie geplant 1,3 Milliarden Impfdosen ausliefern.

Doch die Entwicklungsarbeit, so sagt es Sahin, sei noch nicht vorbei. Man entwickle gerade „eine zweite Generation des Impfstoffes, die deutlich stabiler sein wird und vielleicht sogar bei Raumtemperatur transportiert werden könnte“. Die soll frühestens Mitte nächsten Jahres fertig werden – und dann aber die Logistik erleichtern. Das dürfte sich positiv auf den Preis auswirken und den Stoff auch ärmeren Ländern zugänglicher machen.

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Sahin selbst hat sich noch nicht mit seinem Impfstoff geimpft – und das hat einen einfachen Grund: „Wir haben ja noch keine Zulassung für Deutschland“, sagt der Immunologe. „Aber sobald sie da ist, würde ich das natürlich gerne machen.“ Doch der 55-Jährige weiß auch: Ganz zu Beginn wird er nicht dran sein. „Wir halten uns an die Vorgaben, für welche Personengruppen der Impfstoff zuerst vorgesehen ist, da machen wir bei uns selbst keine Ausnahme“, sagte er dem Kölner TV-Sender.