Die Omikron-Variante des Coronavirus imago

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, erwartet, dass die Omikron-Variante die Corona-Situation in Deutschland vor allem für Ungeimpfte verschärft. Drosten verweist im Podcast „Coronavirus-Update“ auf Daten aus England und Südafrika. In dem afrikanischen Land sei die Corona-Welle mit der Delta-Variante trotz niedriger Impfquote durch eine Vielzahl von Infektionen quasi zum Stehen gekommen. Omikron habe sich dann mit einer Verbreitungsrate von 25 Prozent pro Tag vervielfacht. In England sei die Impfquote vor allem bei Älteren besser. Obwohl es weniger Corona-Maßnahmen als in Deutschland gebe, verbreite sich die Delta-Variante kaum. Die Omikron-Variante verbreite sich dennoch rasant. Drosten geht davon aus, dass sich die neue Mutante dem Immunschutz entzieht: Dazu laufen gerade Tests auch in den Labors der Berliner Charité. Daten aus Südafrika deuten darauf hin, dass Corona-Infektionen bei Genesenen um das Zweieinhalbfache angestiegen seien. Die Zahl von Impfdurchbrüchen habe sich „wahrscheinlich“ vervielfacht.

Drosten erwartet wegen der neu aufgetretenen Omikron-Variante bis zum nächsten Sommer Probleme mit dem Coronavirus in Deutschland. „Das Deltavirus ist unser Problem bis in den Januar rein, das Omikronvirus ist unser Problem bis Sommer“, so Drosten wörtlich im „Coronavirus-Update“.

Drosten: Ab Januar wird Omikron in Deutschland zum Problem

Derzeit dominiert in Deutschland die Delta-Variante des Coronavirus. Die kürzlich entdeckte Omikron-Variante breitet sich aber weltweit aus. Drosten sagte, vermutlich werde Omikron ab Januar in Deutschland zum Problem. Es lasse sich im Moment jedenfalls nicht sagen, dass bis Ostern das Thema Coronavirus vorbei sei.

Drosten zeigte sich insbesondere durch die hohe Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron besorgt. Es zeige sich eine Verdopplung der Fälle in Südafrika oder England etwa alle drei bis vier Tage. Falls sich das für Deutschland bestätige, „dann ist das eine Entwicklung, die schneller ist als jede politische Entscheidungsmöglichkeit. Dann hätten wir bald ein ernstes Problem“, sagte Drosten.

Im Gegensatz zu Südafrika oder England sei hier aber durch die aktuellen politischen Maßnahmen wie die 2G-Regelungen die „Handbremse“ derzeit etwas angezogen, was eventuell die Verbreitung verlangsame.

Situation zwischen Südafrika und Deutschland nicht vergleichbar

Der Virologe warnte zugleich vor Euphorie angesichts vermutlich bevorstehender Meldungen aus Südafrika über einen milden Krankheitsverlauf. In Südafrika handle es sich um Wiederansteckungen von Menschen, die schon einmal oder sogar zweimal das Coronavirus hatten. Deshalb sei die Situation mit Deutschland nicht zu vergleichen und deshalb spreche er eine Warnung für die Ungeimpften aus. „Es könnte sein, dass die Krankheitsschwere nicht nur nicht verringert ist.“ Es könne sogar sein, dass die Krankheitsschwere sich vergrößert.“

Diese Annahme begründete Drosten mit der deutlich stärkeren Virusvermehrung bei Omikron. „Viel Virus, viel Krankheit“, sagte der Virologe. Er riet zur Impfung gegen das Coronavirus und insbesondere zur sogenannten Booster-Impfung. Er nehme an, dass eine „geboosterte Impfimmunität“ gegen Omikron auch besser schütze als eine überstandene Infektion. Belastbare Daten dazu lägen bislang aber noch nicht vor, räumte der Wissenschaftler ein. Insgesamt seien viele Annahmen wegen noch fehlender belastbarer Studien derzeit noch Vermutungen.

Wie Drosten sagte, deuten zwar derzeit vorliegende wissenschaftliche Ergebnisse aus Südafrika auf eine geringere Krankheitsschwere. Dies lasse sich aber damit erklären, dass die mit Omikron Infizierten schon mal Corona hatten und deshalb eine Immunität haben. Es treffe außerdem aber auch in einem deutlich stärkeren Maß jüngere Menschen, die durch ihr Alter vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt seien.

Besorgniserregend nannte Drosten die aus Südafrika gemeldeten Krankenhausaufnahmen von Kindern. Berichten zufolge betreffe ein Fünftel der Krankenhausaufnahmen Kinder im Alter von unter 10 Jahren.

Fauci: Omikron „nahezu sicher“ nicht schlimmer als Delta-Variante

Eine andere Auffassung zur Omikron-Variante vertritt allerdings der US-Experte Anthony Fauci: Er hält die Mutante für nicht schlimmer als andere Varianten des Erregers. „Es ist nahezu sicher, dass sie nicht schlimmer ist als Delta“, sagte der oberste medizinische Berater von US-Präsident Joe Biden am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Es gebe einige Hinweise darauf, dass Omikron sogar weniger schwerwiegend sein könnte. In Südafrika sei beobachtet worden, dass „das Verhältnis zwischen der Zahl der Infektionen und der Zahl der Krankenhausaufenthalte wohl geringer ist als bei Delta“. Vollständig gesicherte Erkenntnisse hierzu seien aber erst in einigen Wochen zu erwarten.

Die Omikron-Variante war Ende November von Wissenschaftlern in Südafrika entdeckt worden. Seither wurde sie in dutzenden Ländern nachgewiesen, darunter Deutschland. Sie weist 50 Mutationen im Vergleich zu dem ursprünglichen Virus auf, davon 32 am sogenannten Spike-Protein, mit dem das Coronavirus an der Wirtszelle andockt. Es wird daher befürchtet, dass diese Variante deutlich ansteckender ist als frühere Varianten.

Omikron sei „eindeutig hochgradig übertragbar“ und womöglich sogar ansteckender als die Delta-Variante, sagte Fauci.

Untersucht wird derzeit auch, ob die vorhandenen Corona-Impfstoffe auch gegen die neue Omikron-Variante wirksam sind. Er rechne damit, dass die Ergebnisse dieser Laboruntersuchungen spätestens in einer Woche vorliegen werden.