In dem Video prügeln die Polizistinnen immer wieder auf den Hund ein. Screenshot: tag24

Diese Bilder gehen unter die Haut – und sorgen deutschlandweit für Entsetzen! In den vergangenen Tagen sorgte ein Video für Wirbel, das den verheerenden Umgang zweier Polizistinnen mit einem Hund zeigt. Immer wieder schlagen die beiden Frauen auf das Tier ein. Auch Berliner Tierschützer sind entsetzt – und fordern Tierschutz-Nachhilfe für die Polizei!

Laut einem Bericht von „tag24“ entstand der Film bei einem Lehrgang für Diensthundeführer in Leipzig. Das Video ist für Tierfreunde verstörend: Zu sehen sind zwei Polizistinnen und ein Schäferhund. Eine der Beamtinnen spielt bei einer Übung eine flüchtige Person, der Hund hat die Aufgabe, sie festzuhalten. Er verbeißt sich ordnungsgemäß in ihren mit Schutzausrüstung ummantelten Arm. Trotzdem schlägt zuerst sie, dann auch ihre Kollegin immer und immer wieder auf das Tier ein. Anfeuerungsrufe wie „Hau drauf! Noch mal!“ sind zu hören, auch aus dem Hintergrund.

Die Ermittlungen gegen die Polizisten wurden eingestellt

Laut Polizei solle das Schlagen das nötige Aggressionspotenzial des Hundes fördern, um in solchen körperlichen Auseinandersetzungen zu bestehen. Es heißt, das Video sei schon im Sommer entstanden und im September der Polizeidirektion Leipzig zugespielt worden. Gegen fünf beteiligte Polizisten seien Ermittlungen eingeleitet worden – doch das Verfahren wurde nun eingestellt. Die Staatsanwaltschaft sah keine strafrechtliche Relevanz im Sinne des Tierschutzgesetzes.

Lesen Sie dazu auch: Schockierendes Video: Polizisten schlagen schonungslos auf Hund ein >>

Bundesweit zog der Film Kreise, sorgte für Entsetzen. Auch in Berlin. Xenia Katzurke (35) ist Verhaltenstherapeutin für Hunde im Berliner Tierheim, arbeitet seit Jahren mit traumatisierten und aggressiven Hunden. Ihre ersten Gefühle, als sie das Video sah? „Verzweiflung und Wut“, sagt sie dem KURIER. „Diese Leute verdienen damit ihr Geld, sie nutzen ein Tier als Dienstmittel. Aber das Bewusstsein dafür, dass sie Verantwortung für ein Lebewesen haben, scheint zu fehlen.“ Mit einer fundierten Diensthundeausbildung hätten die Szenen nichts zu tun – sie seien, sagt Katzurke, schlichtweg Tierquälerei. „Und deshalb ist es skandalös, dass die Leipziger Staatsanwaltschaft hier keinen Straftatbestand erkennen kann.“

Ein Erlebnis wie dieses kann für Hunde Folgen haben

Das Problem: „Ein solches Verhalten der Bezugsperson des Hundes kann ein Trauma bei dem Tier auslösen“, erklärt sie. „Der Hund erfüllt aus seiner Sicht alles, was er tun soll – und kassiert trotzdem Schläge. Das erschüttert die Grundfeste der Beziehung zwischen Hund und Mensch.“ Schon eine einmalige Situation wie diese könnte Folgen für immer haben. „Im schlimmsten Fall lässt sich das Erlebnis nie wieder löschen, das Vertrauen bleibt für immer weg.“ Die Leipziger Polizei beteuerte, dem betroffenen Hund gehe es gut. Man nehme den Vorfall aber sehr ernst und wolle die eigenen Ausbildungsstandards überprüfen.

Xenia Katzurke (35) ist Verhaltenstherapeutin für Hunde im Berliner Tierheim. Foto: Tierheim Berlin

Das fordern auch die Tierschützer. Es existiere bundesweit keine standardisierte Ausbildung für Hundeführer, keine Prüfungsordnung. Katzurke: „Es gibt keinerlei Qualitätsmanagement, und das Thema Tierschutz spielt in der Ausbildung überhaupt keine Rolle, was man an der katastrophalen Arbeit des im Video verantwortlichen Lehrwarts nachvollziehen kann.“ Der Tierschutz sollte in die Hundeführerausbildung integriert werden. Zudem müsse es Nachschulungen und Kontrollen geben. „Ohne Tierschutz keine gute Polizeihundeausbildung“, sagt Katzurke. „Das ist auch für die Hundeführer sehr wichtig, denn wenn ein Hund von seiner Bezugsperson verprügelt oder gequält wird, wird er sich früher oder später gegen diese Person wenden.“