Sandy Bartsch (36) mit ihrem Partner Felix Göllner (36)  und den beiden Kindern Filip (4) und Benedict (9 Monate) sitzen auf Bali fest. Foto: Familie Bartsch

Weiße kilometerlange Sandstrände, Palmen und kristallklares Wasser. Das, was sich im ersten Moment nach einem Urlaubsparadies anhört, ist für die Berliner Familie Bartsch aus Mitte zu einem Gefängnis geworden. Seit der Corona-Krise sitzen sie mit einem Säugling und einem Vorschulkind auf Bali fest und wissen nicht, wie sie zurück in ihre Heimat kommen sollen.

„Unsere Fluggesellschaft ist einfach ohne uns abgeflogen“, sagt die zweifache Mutter Sandy Bartsch verzweifelt. Das Problem: Die Airline habe von der Berliner Familie nicht nur eine Gesundheitsbescheinigung, sondern auch noch ein negatives Ergebnis eines Covid-19-Tests verlangt. „Es war reine Schikane, weil wir hier vor Ort gar nicht an einen Test kommen können“, erklärt Sandy Bartsch dem KURIER.

Die vierköpfige Familie, die nahe des Hackeschen Marktes in Mitte lebt, hatte sich so sehr auf die Reise ins Warme gefreut. Kurz nachdem Sohn Benedict zur Welt kam, entschloss sich das Paar, gemeinsam Erziehungsurlaub zu nehmen und in dieser Zeit mit den beiden Kindern Südostasien zu bereisen, um dort zu überwintern. „Meine Mutter stammt von den Philippinen und wir wollten auch die Verwandtschaft besuchen“, so Bartsch.

Fluggesellschaft Thai Airways verlangte negativen Corona-Test

Sie flogen am 1. November vergangenen Jahres los und planten nach fünf Monaten, Ende März wieder zurück in Berlin zu sein. Doch dazu kam es nicht: Auf der letzten Station ihrer Reise, auf Bali, begann für die Familie der Alptraum im Urlaubsparadies. „Unser Rückflug am 29. März wurde annulliert und kostenfrei auf den 24. März umgebucht“, sagt Bartsch. Einen Tag vor Abflug, am 23. März, hätten sie eine Information auf der Website von Thai Airways gefunden, die sie darauf hinwies, dass sie eine Gesundheitsbescheinigung und das negative Corona-Testergebnis benötigen. Nachdem sie in Eile drei Kliniken angefahren hätten, hätten sie noch eine Gesundheitsbescheinigung bekommen, aber keinen Test.

Sie versuchten trotzdem, an Bord des Fliegers zu kommen. Vergebens. „Am Flughafen erfuhren wir, dass wir nicht an Bord dürfen, weil wir kein negatives Testergebnis nachweisen können. Es wäre eine Entscheidung der Regierung und man könne nichts machen“, sagt die Berlinerin. 95 Prozent der Passagiere, die wie sie auf der gleichen Maschine über Bangkok nach München gebucht worden seien, seien ebenfalls nicht mitgekommen. Die Airline hätte nur die thailändischen Bürger mitgenommen.

Sandy Bartsch, ihr Partner Felix und ihre beiden Kinder sitzen nun in einem Hotel auf Bali und warten. Es fliege keine Airline mehr außer Qatar Airways. Aber und die sei ab 5000 Euro pro Ticket völlig überteuert und mittlerweile ausgebucht. Der KURIER fragte beim Auswärtigen Amt und auch bei der Fluglinie Thai Airways nach, ob der Fall dort bekannt sei. Das Auswärtige Amt wollte sich gegenüber dem KURIER nicht öffentlich äußern und die Antwort der Fluglinie blieb bis Redaktionsschluss aus.

Bei Familie Bartsch bleibt nur ein mulmiges Gefühl zurück: „Wir hoffen sehr, dass wir noch nach Hause kommen. Unser Visum läuft in zwei Tagen ab“. Bis 1. Mai müssen sie spätestens wieder in Berlin sein. Dann muss das Paar, das in der Musikbranche arbeitet, sie angestellt, er freiberuflich, wieder zurück an ihren Arbeitsplätzen sein.