Die Zeit der Braunkohle neigt sich dem Ende zu, Windräder sind für die Stromerzeugung zuständig. dpa/Federico Gambarini

Seit mehr als 30 Jahren trägt der Weltklimarat IPCC den weltweiten Forschungsstand zur Klimakrise zusammen, präsentiert die Ergebnisse und gibt Empfehlungen ab, etwa dazu, welche Schritte notwendig wären, um die Klimakrise noch zu stoppen. Doch wahrgenommen hat die Empfehlungen, Berichte und all das zusammengetragene Wissen bis vor einigen Jahren, als die Klimabewegung um Fridays for Future immer lauter wurde, kaum jemand.

Es scheint: Gerade noch rechtzeitig, denn die Empfehlungen und Ratschläge des IPCC klingen notwendig und konkret wie nie zuvor. Um das 1,5-Grad-Ziel noch einzuhalten, hat der Weltklimarat Aufgaben für Industrie und Verbraucher formuliert.

IPCC-Bericht: Die CO₂-Emissionen müssen runter

Die Grundlage der Empfehlungen ist nicht neu. Seit vielen Jahren heißt es vom Weltklimarat, dass der globale Temperaturanstieg auf maximal 1,5 Grad über dem Wert des vorindustriellen Zeitalters ansteigen darf. Dafür sollen bis zum Jahr 2050 die CO₂-Emissionen bei Netto-Null landen. Heißt: Jede Tonne CO₂, die ausgestoßen wird, muss auch wieder gebunden werden.

Lesen Sie auch: Die Produktion von Fleischersatzprodukten in Deutschland steigt immer weiter! >>

Die Energiewirtschaft ist zu einem großen Teil an den Emissionen beteiligt. Imago/Rainer Weisflog

Jetzt auch lesen: Paris Hilton hat ein neues Projekt: Jetzt will die Hotel-Erbin Mammuts klonen – und damit das Klima retten >>

Während einige Klimaforscher wie Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel bereits befürchten, dass das Ziel nicht mehr einzuhalten ist, glaubt der Weltklimarat noch, dass es Maßnahmen gibt, die das Erreichen des Ziels möglich machen. Diese sind im dritten Teil des sechsten IPCC-Berichts niedergeschrieben. Konkret geht es um die Bereiche Energie, Industrie, Städte, Gebäude und Verkehr.

Weltklimarat: Weniger fossile Brennstoffe

Konkret empfiehlt das Papier, dass der Gesamtverbrauch an fossilen Brennstoffen erheblich verringert werden muss. Der Einsatz von emissionsärmeren Energiequellen muss verstärkt werden. Dieser Punkt betrifft die Industrie, die schnell auf emissionsarme oder noch besser emissionsfreie Elektrizität umgestellt werden muss. Hier soll der Einsatz von grünem Wasserstoff und CO₂-Speichern helfen, auf Netto-Null zu kommen.

Lesen Sie jetzt auch: In New York kämpfen Leerlauf-Kopfgeldjäger gegen Luftverschmutzung – und so viel Geld verdienen sie! >>

Der Industrie kommt dabei ein besonders großer Teil der Verantwortung zu. Schließlich ist sie für einen Großteil der Emissionen weltweit verantwortlich. Es gibt unterschiedliche Studien, die unterschiedliche Zeiträume abdecken. So haben Forscher untersucht, dass 63 Prozent aller Emissionen, die zwischen 1751 und 2010 in die Atmosphäre geblasen wurden, auf 90 Unternehmen zurückgehen. Darunter ist auch das deutsche Energieunternehmen RWE, das aktuell für seinen Braunkohle-Tagebau Garzweiler die Enteignung von Menschen durchsetzen lässt.

Doch auch abseits der Industrie sieht der Weltklimarat Handlungsbedarf. Die Städte sollen ihren Verkehr auf (emissionsarmen) Strom umstellen, Parks, Freiflächen und urbane Landwirtschaft sollen als CO₂-Speicher dienen und gleichzeitig das Risiko für Hochwasser und Hitzeinseln verringern. Die Experten weisen zudem auf eine bessere Stadtplanung hin. Aktuell sind viele Städte vor allem auf Autos ausgelegt. Andere Verkehrsmittel werden an den Rand gedrängt.

IPCC sieht großes Potenzial in Elektrofahrzeugen

Laut dem IPCC-Bericht bieten Elektrofahrzeuge ein großes Potenzial für die CO₂-Reduktion im Straßenverkehr. Für Flugzeuge und Schiffe plädieren die Klima-Experten für nachhaltige Biokraftstoffe, emissionsarmen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. Zudem sollen die Produktionsprozesse verbessert werden.

Und auch der Wohnungsbau bietet CO₂-Einsparpotenzial. So solle es bei allen Neubauten und Nachrüstungen das Ziel sein, Emissionen zu minimieren. Bestehende Häuser sollen effizienter, leer stehende Häuser umgenutzt werden.

Jetzt auch lesen: Dutzende Tote, Tausende obdachlos: Milliardenschäden nach 16 Tagen Regen in Australien! >>

Die Klimakrise wird auch hierzulande immer spürbarer, wie bei der Flut im Ahrtal im vergangenen Jahr. dpa/Thomas Frey

Lesen Sie auch: Schock-Studie: Forscher finden erstmals Mikroplastik in menschlichem Blutkreislauf! >>

Ebenfalls betrachtet es der Weltklimarat als wichtig, das CO₂, das dennoch ausgestoßen wird, zu binden. Dazu eignen sich aktuell am besten Aufforstungen oder die Wiederbelebung von Mooren. Zudem soll an weiterer Technologie geforscht werden.

Und obwohl die meisten Empfehlungen des IPCC an politische Entscheidungsträger und die Industrie gerichtet sind, scheint die Situation derzeit so angespannt, dass es in dem Bericht sogar Vorschläge für den einzelnen Verbraucher gibt. Da geht es darum, weniger Fleisch zu essen, sich klimafreundlicher fortzubewegen oder auch um einen nachhaltigeren Umgang mit Gütern des täglichen Lebens.

IPCC-Bericht: Auch Einzelne können helfen

Im Bericht heißt es, dass das persönliche Verhalten einen großen Einfluss auf das Klima habe, es aber die richtigen Politikinstrumente brauche, um die Verantwortung nicht nur auf Einzelpersonen abzuwälzen, sondern eben auch die großen Konzerne, die viele Jahre mit fossilen Energieträgern Geld verdient haben, in die Verantwortung zu nehmen.

Jetzt auch lesen: Schweres Zugunglück in Ungarn: Fünf Menschen sterben, zehn weitere verletzt! >>

Laut Dirk Messner, dem Präsidenten des Umweltbundesamtes, zeige der dritte Teil des Berichts, dass „wir uns global immer noch auf einem völlig falschen Weg befinden“. Doch er sagte gegenüber dem RND auch, dass der Bericht zeige, dass die Menschheit aktuell noch immer die Optionen in der Hand halte, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Dafür sind zwar immense Änderungen der globalen Infrastruktur-Investitionen notwendig, diese sind aber möglich“, betonte Messner. „Das Klima zu retten, ist dabei deutlich günstiger, als es nicht zu tun.“